Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1164104
36 
Buch III. 
Italien. 
XV. Jahrhundert. 
Florenz. 
137. 
von Vasari erzählte Geschichte lässt immerhin erkennen, dass 
das Auftreten der Oelmalerei in Italien genugsam Epoche 
machte, um eine sagenhafte Erzählung zu veranlassen, welche 
offenbar schon durch manchen Mund gegangen war, ehe sie 
zu Vasari gelangte. Unwahrscheinlich war es von vorn 
herein, dass die neue Erfindung so geheimnissvolle Wege ge- 
gangen sei; schon die van Eyck's selbst hielten gegen Schü- 
ler und Mitstrebende nicht damit zurück, und wenn Andrea 
heute einen Mitwisser todtschlug, so konnte morgen ein an- 
derer aufstehen. Zwei neuerlich festgestellte Thatsachen las- 
sen indess genugsam Andrea's Unschuld erkennen: Domenico 
hatte seine Fresken zu S. Maria Nuova sechs Jahre früher 
(1445) vollendet, ehe Andrea (1451) die seinigen anüng, und 
4. überlebte diesen um beinahe vier Jahr Ueberdiess ist 
noch nicht ausgemacht, ob das eine bekannte Bild des Do- 
menico (in S. Lucia zu Florenz, jenseit des Arno) mit Oel-, 
oder mit Temperafarbenam) gemalt sei; die erwähnten Bilder 
des Andrea sind offenbar Temperabilder. Jenes Bild des 
Domenico ist übrigens etwas abweichend von des letzteren 
Weise und hat etwas Mildes und Edles im Ausdruck, zeigt 
jedoch ebenfalls bereits ein gutes Gefühl für die Form. Jeden- 
falls liegt es in der Natur der Sache, dass die Tempera- 
Malerei, die für ein schnelles Bemalen grosser Flächen manche 
 Vortheile darbot, erst allmählig, am Ende-des Jahrhunderts, 
der Oelma-lerei wich. 
5- Am Entschiedensten wurde jenes Studium des Nackten 
durch den Einfluss gefördert, welchen die Bildhauerkunst auf 
die Malerei ausübte. Diese Kunst (vornehmlich die Arbeit 
in Bronze) war zu jener Zeit in Florenz mit glücklichstem 
Erfolge, bedeutender noch als die Malerei, ausgeübt worden 
und es konnte nicht fehlen, dass ihre Erfahrungen in Bezug 
auf eine genauere anatomische Erg-ründung des menschlichen 
Organismus alsobald auch auf die Malerei übergetragen wur. 
a) Vergl. Crowe u. Cavalcaselle II, 308. 
f") Letzteres wird von Rumohr (Ital. Forsch. II, 262), 
von E. Förster (Kunstblatt 1830, S. 67) angenommen. 
Ersteres
        

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