Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1164093
137. 
Andrea 
del 
Castagno. 
Oelmalerei. 
35 
des Nackten, wie solches ebenfalls bereits beim Masaccio be- 
deutend hervortrat. Dahin gehört zuerst Andrea del 
Castagno (geb. 1390), der um die Mitte des Jahrhunderts 
blühte. Sein eigenthümliches Streben zeigt sich vornehmlich 
in einer scharfen strengen Modellirung, die aber bei ihm in 
manieristiseher Uebertreibung bis zu einer harten und dürren 
Trockenheit aus-artet, und mit einem herben, selbst verdriess- 
liehen Ausdruck verbunden ist. Einige Bilder der Art sieht 
man von ihm in der Florentiner Akademie, andre im Museum 
von Berlin. In Florenz wird ihm ein Frescobild über einem 2. 
Grabmal in Santa Croce, S. Franz und Johannes der Täu- 
fer, zugeschrieben, welches eine herbe Kraft der Darstellung 
mit sehr intensivem Ausdruck verbindet.  Bekannter, als 3. 
durch seine wenigen erhaltenen Werke, ist er in der Ge- 
schichte der Kunst durch eine schwere Schmach, welche sich 
mit Unrecht an seinen Namen geheftet hat. „Bisher hatte 
man nämlich mit Temperafarben gemalt, d. h. mit einer Mi- 
schung der Farben mit Eigelb und eitiigen Harzen, die 
schneller trockneten und einen schnelleren Auftrag nöthig 
machten. Im Anfange des Jahrhunderts aber war durch Jo- 
hann van Eyck in den Niederlanden die Oelmalerei bereits 
so bedeutend verbessert worden, dass sie mit glücklichstem 
Erfolge angewandt wurde. Von ihm hatte sie ein Italiener, 
Antonello von Messina, auf den wir später zurückkommen 
werden, als ein Geheimniss  erlernt, und dieselbe ebenso 
seinem Freunde, dem Domenico Veneziano, mitgetheilt. 
Als nun des letzteren Bilder ein ungemeines Aufsehen 1nach- 
ten, so erregte dies die Erbitterting und den Neid des Andrea; 
er schlich sich, während er mit Domenico gemeinschaftlich in 
S. Maria Nuova zu Florenz malte, in dessen Vertrauen ein 
und entlockte ihm sein Geheimniss. Domenico war ein fröh- 
licher Mensch, er trieb Musik und spielte trefflich die Laute; 
Andrea tmterstützte ihn, wenn jener seinen Geliebten Sere- 
Ilfßdßn Sang. Eines Abends liess er ihn allein gehen, folgte 
ihm heimlich in der Dunkelheit nach, und ermordete ihn, um 
so des Nebenbuhlers in der Kunst los zu wer-den. Auf dem 
Todtenbette soll er sein Verbrechen bekannt haben." Diese
        

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