Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167531
219. 
Miniaturen 
der 
Van 
Eyck. 
379 
Wie mit den van Eyck die Landschaft erst beginnt, 
so zeigen sich auch die ersten, noch für lange Zeit verein- 
zelten Spuren des Genrebildes. Leider sind die betref. 
fenden Bilder, eine Badestube und eine Ivischotterjagd von 
Johann van Eyck längst verloren und nur durch Nachrichten 
bekannt; 
Endlich haben sich noch Miniaturen erhalten, Welche mit 
grosser Sicherheit. als Werke der Geschwister van Eyck gel- 
ten können. Die fürstliche Liebhaberei für Bilderhandschrif- 
ten hatte in Philipp dem Guten ihre höchste Spitze erreicht; 
sehr bedeutende fiandrische Maler seiner Zeit scheinen fort- 
während in dieser Gattung beschäftigt gewesen zu sein, 
sodass sich schon hieraus die miniatmähnliche Vollendung 33. 
auch der Tafelbilder erklären würde.  Zunächst ist  
berühmte Messbuch zu erwähnen, welches zwischen 1423 
und 1431 für Philipps Schwager, den Herzog von Bedford, 
Regenten von Frankreich, gefertigt wurde und sich gegen- 
wärtig in der Kaiserlichen Bibliothek zu Paris befindet. Die 
ersten 56 grössern und gegen 1000 kleinere Miniaturen sind 
zwar nicht von der Hand der van Eyclös, sondern bilden nur 
einen Uebergang aus dem germanischen Styl in den ihrigen, 
in der Art der oben (Bd. I, S. 291 u. f.) beschriebenen 
französisah-niederländischen Handschriften; Wohl aber können 
die drei letzten grossen Bilder echte Arbeiten der van Eyck's 
sein: der Herzog; vor seinem Schutzheiligen kniend; die 
Herzogin, im Gebet vor der heil. Anna, in Gegenwart der 
heil. Jungfrau mit dem Kinde; sodann die Aufnahme der 
Lilien in's französische Wappen.  Viel Wichtiger ist das 34. 
für denselben Herzog von Bedford ausgeführte Brevier in 
der kaiserl. Bibliothek zu Paris, vollendet 1424; hier erkennt 
man in einzelnen Bildern die Hand des Hubert an den etwas 
allgemeinen Köpfen, den kürzern Verhältnissen, den grossen 
Gewandmotiven; in andern die des Johann an der grössern 
Bestimmtheit der Formen und Charaktere, an der Lebhaftig- 
keit des Ausdruckes und an dem weniger breiten, mehr 
gestrichelten Auftrag; die Bilder einer dritten minder geschick- 
ten Hand werden mit einiger W ahrseheinlichkeit der Marga-
        

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