Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167528
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Buch IV. 
Norden. 
Jahrhundert" 
Flandrer. 
Flügelaltärchen, welches sich 1835 in der Aders'schen Samm- 
lung zu London befand und seitdem veräussert. wurde, ist 
neuerlich als ein Werk aus der zweiten Hälfte des XV. Jahr- 
hunderts erkannt worden ü") und kann demnach nicht der (vor 
1432 verstorbenen) Margaretha angehören, verdient jedoch 
seines Inhalts wegen eine genauere Erwähnung. In der mitt- 
lern Abtheilung sitzt Maria auf einem Rasenplatze und liest 
in einem Buche, vor ihr das Christkind auf einem schwarz- 
sammtenen Kissen; es wendet sich zu der heil. Catharina, 
welche kniend den Verlobungsring in der Hand hält; hinter 
dieser Heiligen kniet eine andre an einem Tische, worauf 
Rosen und Kirschen stehen; sie selbst hält ein Körbchen mit 
Rosen in die Höhe. Gegenüber sitzt wiederum eine Heilige 
auf dem Gras und nimmt einige weisse und rothe Rosen von 
einer andern, blaugekleideten Jungfrau in Empfang. Hinter 
den heiligen Frauen stehen Engel; drei musiciren, ein vierter 
hält eine Schüssel mit Kirschen unter einen Wasserstrahl, 
Welcher dem in der Mitte stehenden Springbrunnen entströmt. 
Im Hintergrund ist eine Kirche, von innen hell beleuchtet, 
während dichtbelaubte Bäume einen tiefen Schatten auf ihre 
äussere Umgebung werfen. Das Flügelbild zur Linken zeigt 
die heil. Agnes und andre Heilige, die auf einer grünen 
Wiese unter schönen Orangenbäumen wandeln. Auf dem 
rechten Flügelbilde kniet vorn Johannes der Evangelist, hin- 
ter ihm pflückt ein Engel Rosen und noch weiter sieht man 
unter Orangenbäumen einen Jüngling Früchte pflücken, die 
eine Jungfrau in ihr Kleid aufnimmt. Diese überaus lieb- 
liche idyllische Compbsition hat einen ganz eignen Reiz und 
ist aufs sorgiältigste ausgeführt; die Farbe ist mehr mild als 
kräftig, die Schatten lichtbräunlich; in den Formen und Bewe- 
gungen ist öfters eine gewisse Grazie, während die Gesichts- 
bildungen einförmig und hässlich sind. l 
liche Hand ist bGSOIIÖBYS die letztgenannte Eigenschaft nicht beweigend; 
Arbeiten aus Nonnenklöstern z. B. sind insgemein eher von einer 
ängstlichen Schärfe. B. 
i") Waagen, England, Bd. I1, S. 232. 
        

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