Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167398
Die 
Van 
Eyck. 
Das 
Genter 
Altarbild. 
365 
gedankenvoll die Tasten berührt; hinter der Orgel stehen 
andre mit verschiedenen Saiteninstrumenten. Hier sieht man 
in den Köpfen mehr innerliches Gefühl und Milde; Stoife 
und Geräth sind mit derselben Meisterschaft behandelt.  
Die äusseren Seitenflügel der oberen Reihe, welche Adam 
und Eva, einander gegenüberstehend, darstellen und sich in 
Gent befinden, sind dem Reisenden unzugänglich, da sie, 
wie man sagt, aus grossem Zartgefühl unter strengstem Ver- 
schluss gehalten werden. Der Versuch, lebensgrosse nackte 
Figuren mit sorgfältigstem Eingehen auf das Einzelne zu 
malen, soll hier sehr glücklich gelungen und nur eine gewisse 
Trockenheit in der Zeichnung sichtbar sein. Eva hält in 
ihrer Rechten die verbotene Frucht. Auf den Füllungen, 
Welche die Oekonomie des Altarwerkes über diesen Tafeln 
nothwendig machte, sind kleine; grau in grau gemalte Dar- 
stellungen enthalten: über Adam das Opfer des Cain und 
Abel, über Eva der Tod Abels. (Also die Erbsünde und ihre 
unmittelbare Folge, der Tod.) 
Das untere Miltelbild, die Anbetung des Lammes, schreibt 
man ebenfalls, der Ausführung nach, dem Johann van Eyck 
zu. Die Anordnung desselben ist streng symmetrisch, wie 
sie durch das Mystisch-Allegorische des Gegenstandes bedingt 
werden musste. Neben dieser Symmetrie ist aber in der Land- 
schaft, in der reinen Luft, in dem hellen Grün des Grases. 
in Baumgruppen und Blumen, ebenso auch in den einzelnen 
Gestalten, Welche mehr aus den vier grossen Gruppen her- 
vortreten, eine solche Anmuth und zugleich individualisirende 
Charakteristik, dass alles Harte und Strenge wiederum aus 
jenem symmetrischen verschwindet.  
Die Flügelbilder zur Rechten des eben genannten (die 
Einsiedler und Pilger) haben in der Behandlungsweise mehr 
von der Art des Hubert, während die gegenüberstehenden 
die Hand des Johann erkennen lassen. Das äusserste Bild 
zur Rechten, welches die heiligen Pilger darstellt, ist indess 
minder bedeutend. Hier sieht man _den heil. Christoph, 
der die WVelt durchwanderte, um den mächtigsten Herrn zu 
finden, riesengross Voranschreiten; eine Schaar kleinerer Pilger
        

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