Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167349
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Buch IV. 
Norden. 
Jahrhundert. 
Flandrer. 
von schönem Ausdrucke sind, stören gleichwohl diese 
Wirkung nicht wesentlich; sie gehören nothwendig in diese 
zu paradiesischer Pracht gesteigerte Wirklichkeit. Für die 
malerische Durchführung der letztern gab die von den Brü- 
dern van Eyck herrührende Erfindung, oder vielmehr_Ver- 
besserung der Oelmalerei die nöthigen technischen Mittel an 
die Hand.  Die Blüthe und Macht, zu welcher sich die 
flandrischen Städte zu jener Zeit emporgeschwungen hatten, 
Lebenslust und Vaterlandsliebe, allgemeine Verbreitung eines 
kräftig religiösen Sinnes, hatten den Boden bereitet, welcher 
eine solche Kunst wohl zu nähren im Stande war. Der 
Gesinnung eines reichen Handelsstaates gemäss tritt in die- 
sen Gemälden eine min-iaturartige Vollendung und die höchste 
Pracht der Ausführung sehr in den Vordergrund; Luxus und 
Andacht gehen Hand in Hand. Dagegen ist von Fresken 
wenig zu melden, und man kann wohl annehmen, dass die 
vorzüglichern Maler ihr Leben lang vollauf mit Staffeleibildern 
beschäftigt waren. Namentlichmusste auch die auf einmal in 
wunderähnlicher Vollendung auftretende Portraitmalerei zahl- 
lose Bestellungen veranlassen.  
Die Uebergänge aus dem früheren germanischen Styl in 
diese neue Richtung haben wir oben (Bd, I., S. 261) in den 
französisch-niederländisehen Miniaturen nachgewiesen, wo sich 
jenes grössere Naturstudium, vornehmlich was die schon sehr 
vollendeten landschaftlichen Gründe anbetrifft, bereits in 
bedeutender Weise vorgebildet fand. (Man möchte überhaupt 
annehmen, dass dieyvan Eyck aus einer Schule von Minia-b 
toren hervorgegangen seien, wenn man die ausserordentlich 
feine und prachtvolle Ausführung ihrer Gemälde in Betracht 
zieht.) Jedenfalls aber war die Neuerung eine Verhältniss- 
mässig schnelle und überraschende. Die geschichtlichen Ent- 
wickelungen gehen überhaupt nicht in allmälig aufsteigender 
Linie, sondern in einzelnen grossen Pulsschlägen vor sich, 
und der gegenwärtige Fall musste um so gewaltiger und 
durchgreifenden hervortreten, als zwei Meister jene neue 
Richtung ins Leben riefen, die den grössten Künstlern aller 
Zeiten zugezählt werden müssen und die überdies bei ihren
        

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