Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167249
350 
Buch HI. 
Italien  
XVI. 
J ahrhunderf. 
Mani eri sten. 
von intellectiven und formativen Begriüen, von substantiellen 
Substanzen, von formellen Formen" u. dgl. wimmelt, worin 
es u. a. heisst, dass die Philosophie und das Philosophiren 
eine metaphorische gleichnissartige Zeichnung sei" u. s. w. 
Gerade so hohl und aufgeblasen wie diese Worte, sieht die 
Mehrzahl ihrer Bilder aus. Hie und da tritt aber zuriglück- 
liehen Stunde die ursprüngliche Begabung überraschend her- 
13. vor, wie denn z. B. der todte Christus von weinenden Engeln 
umgeben, im Pallast Borghese zu Rom, ein Bild von bedeu- 
tender Wirkung ist.  Agostino Ciampelli, von Geburt 
14, ein Florentiner und Schüler des Santi Titi, verdient hier 
eine Erwähnung wegen des anmuthigen Engelreigens mit 
Weihgeschenken an der Wand der Chornische von S. Maria 
15. in Trastevere und wegen zweier Gemälde in S. Pudenziana 
zu Rom, welche heilige Frauen, Märtyrerleichen bestattend, 
darstellen. Bei vielem Manierirten ist ein Sinn für Ausdruck 
und einfache Schönheit nicht zu verkennen. 
Bedeutender als die genannten war Giuseppe Cesari, 
il Cavalier d'Arpin0, dessen Blüthe jedoch mehr in den 
Anfang des XVII. Jahrhunderts fällt. In ihm zeigt sich 
wenigstens eine gewisse Mässigung jener trostlosen Manier 
und namentlich eine tüchtige heitere Färbung. (Zu seinen 
16. bessern Werken gehören die Deckenfresken im Chor von S. 
Silvestro a. monte Cavallo zu Rom). Er bildete eine grosse 
Schule, mit welcher er die römische Kunst beherrschte und 
eine entschiedene Opposition gegen andre Meister, vornehmlich 
gegen die Schule der Caracci (von der im Folgenden) bildete. 
Eine gewisse Reaction gegen diese Verderbniss brachte 
Federigo Baroccio, ursprünglich Schüler des Battista 
Franco (aus Urbino, geb. 1528, st. 1612) hervor, indem er 
sich etwas weniger oberflächlich dem Vorbilde der grossen 
Meister, namentlich dem Coreggio anzuschliessen suchte, so 
dass er etwa mit "Parmigianino parallel steht. Er zeichnet 
sich nicht eben durch Tiefe des Inhaltes und durch wahre 
Kraft aus; seine Auffassung ist hie und da widrig geziert, 
sein Ausdruck süsslich, sein Colorit zwar oft von einem 
glücklichen Schmelz und vieler Tiefel, in der Carnation aber
        

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