Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167184
344 
Buch III, 
Italien. 
Jahrhundert. 
XVI. 
Manieristen. 
Luxus. Da man nun die Vollendung solcher Arbeiten mög- 
lichst bald" und ohne allzugrosse Geldopfer erleben wollte, da 
man in Betreff der Darstellung sich mit sachlichen  
ziehungen historischer wie allegorischer Art begnügte, ohne 
auf das Höhere und Ewige des wahren Kunstwerkes Bedacht 
zu nehmen, so erhielt das leichte handfertige Talent vor dem 
tiefern und nachhaltigem in der Regel den Vorzug. Es ist 
betrübend anzusehen, wie nunmehr Künstler und Besteller 
einander gegenseitig immer mehr demoralisiren, wie der erstere 
ein Hofmann und Intrigant, der letztere ein launenhafter Ge- 
bieter wird's). Die ungeheuersten Unternehmungen werden 
jetzt in kurzer Frist durchgeführt; „wir malen", sagt Vasari, 
"sechs Bilder in einem Jahre, während die frühern Maler zu 
einem einzigen Bilde sechs Jahre bedurften", was für Riesen- 
bilder aber hiemit gemeint sind, zeigt die Sala Regia im 
Vaticnn und der grosse Saal im Pallast zu Florenz. Er fügt 
noch ganz naiv hinzu: „und doch werden dic Gemälde weit 
vollkommener ausgeführt als früher von den bedeutendsten 
Meistern geschah." (Vorrede zum dritten Theil seiner Bio- 
graphieen.) Laut seinen Briefen brauchte er bei dem Bilde 
der Seeschlacht von Lepanto seine Hände, als wäre er selbst 
im Handgemenge mit den Türken (Gaye, Cartegg.  S. 315); 
er wird alle Tage mehr seiner Gottesgabe inne,'und je mehr 
er im Galopp (sie) arbeitet, desto leichter und kühner geht_ 
es vorwärts (S. 363) u. s. W. So dachten die meisten 
Lieblingskünstler jener Zeit, und wenn man sie selbst in die- 
ser Schnellmalerei für oft ganz unwürdige, von augenblick- 
licher Laune vorgeschriebene Zwecke dennoch hie und da 
bewundern muss, so ist diess nur ein Zeugniss mehr für die 
Grösse der vorhergegangenen Periode. Es war übrigens 
unvermeidlich, dass der Verderb von der monumentalen 
Malerei aus auch die Staffeleibilder ergriff, ja die 1612- 
tern sind durch die Verbindung der innern Nichtigkeit mit 
einer sorgfältigen Ausführung oft noch widriger in der W ir- 
Vgl. Rumohr, 
Ital. 
Forsch. 
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III-a 
144
        

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