Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167151
213. 
Jacopo 
Bassano 
ulild 
seine 
Söhne. 
341 
kann nicht auffallen. Ein Greis im Berliner Museum, eine 1- 
reichgeputzte Matrone in den Studj zu Neapel würden 2. 
Tintoretto alle Ehre machen. Üebrigens sind auch einzelne 
heilige Darstellungen vorhanden, in welchen der Künstler eine 
grössere Würde und schönere, edlere Formen entwickelt; so 
z. B. die trauernden Marien, in der Villa Chiswick bei Lon- 3; 
don; eine Kreuztragung in der Galerie zu l-lolkham (N0r- 4- 
folkshire); ein Christus am Kreuz {im Berliner Museum etc. 5- 
 Weit zahlreicher kommen indess jene genrehatten Bilder 
vor. Es sind meist Zimmergemälde von verschiedenen 
Dimensionen, die, wie gesagt, wenigstens in den ital. Galerieen 
nirgend fehlen. Doch ist nicht Alles der Art von ihm. Er 
hatte eine förmliche Fabrik für diese Darstellungen errichtet, 
darin ihn seine vier Söhne, eingeübt in seine Manier, unter- 
stützten. Zwei von diesen, Francesco und Leandro 
Bassano, zeichneten sich auch in eigenthümlichen Compo- 
sitionen, vornehmlich kirchlicher Gegenstände, aus, ohne jedoch 
in der Regel sonderlich Bedeutendes zu leisten. Eins der 
besten eigenthümlichen Werke Francescds befindet [sich unter 
den Deckengemiilden des Dogenpallastes von Venedig (Sala 6. 
dello scrutinioyund stellt die Einnahme von Padua zur Nacht- 
zeit vor; eine Himmelfahrt über dem Hochaltar in S. Luigi de 7- 
Francesi zu Rom ist wenigstens nicht unwürdig. Von Leandro 
sieht man ein tüchtiges Gemälde der Dreieinigkeit in der 8. 
Kirche S. Giovanni e Paolo zu Venedig; dann in der Aka- 
demie (wiederholt in den Studj zu Neapel) eine Auferweckung 9. 
des Lazarus, in welcher die Figuren zwar etwas mechanisch 
übereinander geschichtet, aber im Ganzen schön gemalt. und 
voll Ausdruck sind. Ihr Staunen bezieht sich allerdings nur 
auf Lazarus, nicht auf Christus, eine Bemerkung, die wir hier 
anknüpfen, weil von gar manchem Bild dieser spätern venetia- 
nischen Schule etwas Analoges gilt. Ueber der handfesten 
Praxis, über dem Vertrauen auf die Unerschöpiiichkeit des 
Naturalismus hatte man es allmälig verlernt, die höchsten 
geistigen Beziehungen an jedem Gegenstande herauszufühlen 
und hervorzuheben.
        

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