Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167105
.336 
Buch III. Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Venedig 
die Stufen hinunter, indem er sich zurückwendet gegen seine 
gefesselt folgenden Todesgenossen Marcus und Marcellinus, 
Welche er, gen Himmel deutend, begeistert anredet. Der 
Eine blickt ihn voll gläubigen Vertrauens an, der Andre ist 
zurückgewandt gegen die gramvolle Mutter, Welche ihn mit 
Vorwürfen und Bitten aufhalten möchte; rechts die Treppe 
hinan kommt ein greiser Vater, von Jünglingen geführt; auch 
Frauen mit Kindern werfen sich den Märtyrern entgegen, 
aber in edelster Ruhe gehen diese ihren Todesgang. Von 
Balustraden und Dächern her, an Säulen geklammert, an die 
Treppe gedrängt, sehen zahllose Menschen in höchster Span- 
nung zu. Es ist in diesem Gemälde eine Schönheit der 
Composition, ein Reichthum ohne Ueberfüllung und eine Ge- 
walt des Ausdruckes wie der Farbe, welche dasselbe in 
gewissem Betracht. als edelste Schöpfung Paolds erscheinen 
lässt. Die beiden andern Gemälde stellen S. Sebastian von 
Pfeilen durchbohrt und auf der Folterbank gemartert dar, das 
erstere wiederum von schönster Erfindung und Ausführung. 
Der an eine Säule gebundene Heilige, von Pfeilen getroffen, 
blickt sehnsüchtig nach dem Himmel empor, WO zwischen 
schönen Engeln die Madonna erscheint; neben ihm zwei herr- 
"liche Frauengestalten, ebenfalls betend zu der himmlischen 
Erscheinung gewandt; weiter unten knien drei Heilige, Welche 
den Märtyrer bewundernd anblicken. In dem letzten Bilde 
war es nicht möglich, die gräuliche Marter durch solche 
ideale Beziehungen vergessen zu machen, so dass dasselbe 
den Vergleich mit den beiden andern trotz der meisterhaften 
Darstellung nicht aushält.  Die grossen Flügel der Orgel 
in derselben Kirche enthalten aussen eine schöne Darstellung 
"im Tempel, innen das Wunder am Teich Bethesda, gemalt 
um 1550, letzteres wiederum eine der vorzüglichsten Compo- 
sitionen Paolo's. Die links einer Halle entlang sitzenden 
Kranken sind mit feinem Takt zu einer Gruppe verschoben; 
ein Greis auf Krücken macht mit heftiger Geberde. auf 
Christum aufmerksam, welcher eben einen Krüppel durch sein 
Wort geheilt hat, der gebeugt und erschüttert zu ihm auf- 
blickt; hinten helfen die Apostel andern Geheilten aus dem
        

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