Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167088
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Buch HI. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Venedig. 
faltung grossartiger Architekturen, die grösste Pracht der 
Gefässe, die glänzendsten und reichsten Costüme, vor Allem 
aber kräftige und edle Menschen in einem erhöhten Mo- 
mente des Daseins, in vollstem Genusse dessen, was die 
Erde schön macht; an die Stelle des religiösen Interesse's 
tritt das Bild heiterer und weltlicher Pracht und frohen 
Humors. Allein auch andere, mehr dramatisch bewegte 
Scenen sind bisweilen mit hinreissender Lebendigkeit und 
einem zwar nicht eben vielartigen, aber wahren Afiiect vor- 
getragen; ausser dem Zauber des Colorites ist für Paolo 
bezeichnend, dass hier ein in reicher Breite geschilderter Zu- 
stand, eine Situation, insgemein die Basis ausmacht, von 
welcher sich die lebendige That in kraftvollen Gestalten ab- 
hebt. Was Paolo von Tintoretto unterscheidet und ihm für 
seine letzte Zeit (nach Tizian's und Michelangelds Tode) 
geradezu den Rang des ersten Malers der Welt anweist, ist 
die schöne Vitalität, der poetische Drang, mitten in einer 
gesunkenen Kunstepoche Leben und Liebreiz so rein und 
so voll darzustellen, als die Zeit es gestattete. Auch er hat 
sich dem Naturalismus vielfach anbequemt; seine Composition 
verwildert hie und da; seine Schönheit richtet sich mehr an 
die Sinne als an die Seele, aber selbst seine flüchtigsten 
Dutzendbilder besitzen noch einen Hauch der Anmuth und 
jene naive Fülle des Daseins, welche damals aus allen andern 
Schulen gewichen war. Das Colorit wird in den spätesten 
Werken allerdings fahlgrau und durch ein unglückliches 
Feuerroth selbst unharmonisch. 
Von frühem Gemälden Paolo's ist nicht Vieles bekannt. 
2_ Ein treliliiches Bild des Berliner Museums, von unbekannter 
Hand, ist in einem Styl gemalt, wie man sich etwa den der 
Jugendbilder Paol0's vorstellen darf. Es ist eine Madonna 
mit dem Kind, auf dem TlIYOHC, Vor ihr, und zu ihr hineilend 
verschiedene Heilige und Engel; links, an einen Baum ge- 
fesselt, S. Sebastian. Letzterer, nebst dem Christuskinde 
und dem einen Engel, sind die schönsten Figuren des Bildes, 
in welchem manches Einzelne, sowie die trefflich harmonische 
Farbenstimmung deutlich auf Paolo hinweist, während An-
        

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