Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167068
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Buch III. 
Italien. 
XVI. 
Jahrhundert. 
Venedig, 
211. 212. 
15_ sehr tüchtige Skizze von Tintorettds" eigener Hand befindet 
sich im Louvre).  Vier gute mythologische Bilder sieht 
man in dem Saal des Anticollegio im Dogenpallast.  Wer 
sich aber überzeugen Will, wie diese hochbegabte Natur sich 
zu Zeiten gehen liess, der besuche die Kirche S. Maria dell, 
16. Orto, wo Tintoretto in zwei haushohen Bildern die Anbe- 
tung des goldenen Kalbes und die letzten Dinge gemalt hat, 
17. oder auch die Kirche S. Trovaso, Wo sich ein Abendmahl 
von seiner Hand befindet. Man kann nicht geflissentlicher 
die Würde desMomentes und alle höhern Stylforderungen 
mit Füssen treten. Während Johannes mit untergeschlagenen 
Armen fest schläft, fragen reinige Apostel mit höchst burles- 
ken Geberclen: Herr, bin ich's? Ein Anderer deckt eine 
am Boden stehende Schüssel auf, ohne in seiner Zerstreuung 
zu bemerken, dass eine hereingeschlichene Katze daraus 
nascht; noch ein Anderer greift nach einer Strohflasche; ein 
Bettler sitzt essend bei Seite; auch Aufwäirter, Page und 
Magd fehlen nicht. Nach einem umgeworfenen Strohsessel 
zu schliessen, wäre es unter diesen gemeinen Individuen 
schon sehr leidenschaftlich hergegangen. So viel wagte der 
Maler, um den eigentlichen Gegenstand vergessen zu machen, 
kaum hundert Jahre nach der Entstehung von Leonardds 
Abendmahl. 
Unter 
den 
Schülern 
und 
Nachahmern 
des 
Tintoretto 
werden sein Sohn Domenico Tintoretto und der Deut- 
sche Johann Rottenhamm er rühmlich erwähnt. Ein ande- 
rer Schüler, Antonio Vascibracci, genannt 1' Aliense, 
brachte Tintorettds Styl nach dem stillen Perugia, wo die 
Kirche S. Pietro noch zehn grosse Wandbilder von ihm 
besitzt. 
g. 212. Gleichzeitig mit Tintoretto blühten in Verona 
verschiedene Künstler, deren Bildung in nahem Verhältniss 
zu der eigentlich venetianischen Schule steht. Hauptbilder 
von ihnen sind vornehmlich in den Kirchen und in der Ga- 
lerie des Rathspallastes von Verona zu suchen. Dahin ge- 
hören Niccolö Giolfino, dessen Gestalten eine eigne 
Grossartigkeit, und im Ausdruck zugleich eine anziehende
        

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