Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167040
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Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Venedig. 
einzuschlagen. In dem Arbeitszimmer, welches er in seiner 
Jugend bewohnte, hatte er, seine Richtung bezeichnend, die 
Worte angeschrieben: „die Zeichnung von Michelangelo, das 
Colorit von Tizian." Er copirte des letzteren Werke und 
zeichnete nach Gypsabgüssen liorentinischer und antiker 
Sculpturen, vornehmlich beim Lampenlicht, um sich in stär- 
kerer Modellirtmg zu üben; er verfertigte sich zu seinen 
Arbeiten Modelle, die er künstlich beleuchtete oder die er 
im Zimmer aufhängte, um so tle voii den Venetianern Wenig 
geübte Perspective zu gewaltigen. Auf diese Weise verei- 
nigte er mit dem venetianischen Colorit, so lange ihm dieses 
treu blieb, allerdings eine Kraft der Schattengebung, die 
seinen Bildern eine besondere Eigenthümlichkeit verlieh und, 
WO er im Kreise der Naturnachahmung beschränkt war, sehr 
glückliche Erfolge hatte. Allein abgesehen von der Unmög- 
lichkeit, die Resultate zweier so verschiedenartigen Entwicke- 
lungen, wie das Colorit Tizians und die Zeichnung lhlichelan- 
igelo's ohne Weiteres in ein Ganzes zu verschmelzen, scheint 
die Bekanntschaft mit den WVerken des Letztern vielmehr 
seinen Naturalismus erst recht entfesselt zu haben. Die 
Forum, welche für Michelangelo das Symbol einer höhern 
Naturkraft War, gilt bei Tintoretto schon in ihrer" unmittel- 
baren Erscheinung; nackte Gestalten, welche in dem WVelt- 
gerichte der Sixtina mindestens dazu vorhanden sind, damit 
der malerische und poetische Gedanke darin massenhaft aus- 
klinge, treten hier als müssige Füllstücke um ihrer schönen 
Musculatur oder Verkürzung willen auf.  Sind nun schon 
die Werke aus Tintorettds besserer Zeit meist Hiichtig be- 
handelt, so wird später auch die Edindung bedeutungslos, 
die Praxis roh und handwerksmässig. Zudem hat ein frühes 
N achdunkeln seine meisten Bilder getrübt. 
Es leuchtet ein, dass seine Portraits durchschnittlich zu 
dem Bessern gehören müssen, was von ihm vorhanden ist. 
Hier ist seine Attfiassung frei, selbst grossartig und meist mit 
1- reinerer, sorgtältigerer Ausführung verbunden. Drei ausge- 
2- zeichnete Bildnisse im Berliner Museum; ein bärtiger Kahl- 
3- kopf im Louvre; Mehreres in englischen Galerien, u. a. zwei
        

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