Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1167031
Spätere 
Venezianer. 
Tintoretto. 
329 
gleich, aber im Einzelnen stehen sie ihnen häufig würdig 
zur Seite.  
Der erste unter diesen ist Jaeopd Robusti, nach 
dem Gewerbe des Vaters Tint.0rett0 (Färber) genannt 
(geb. zu Venedig 1512, gest. 1594), eines der rüstigsten 
Talente, welche die Kunstgeschichte kennt, ein Maler, der 
auch die grösste Schwierigkeit nicht umging, sondern auf- 
suchte und der ein vsPahres.Gefühl für das Lebendige und 
Imposante besass. Wenn uns jetzt gleichwohl seine Werke 
nicht immer zusagen, so liegt diess an einem fremden, un- 
venetianischen Element, welches er in sich aufgenommen, 
aber nicht ganz bewältigt hatte, und noch mehr an der Zeit, 
Welche ihm seine Aufgabe stellte. Wir werden im nächsten 
Kapitel das Nöthige hierüber rnittheilen; hier sei bloss be- 
merkt, dass auch die venetianische Kunst der massenhaften 
Schnellproduction anheimgefallen war, und dass gerade Tin- 
toretto derselben den grössten Tribut bezahlt hat. Zwar 
bleibt auch sein Bravourstyl noch immer reich an bedeuten- 
den und grossen Einzelheiten; mit wenigen Farbenflecken 
hat er bisweilen die lebensvollsten Gestalten und Charaktere 
geschaffen: was. ihm aber entschieden fehlt, ist die künst- 
lensche, von einer hohern Idee bedingte Anordnung im 
Ganzen. und der Adel der Motive im Einzelnen. Seine 
Composition wird nicht mehr bestimmt durch schön abge- 
wogene Grade lder Betheiligung an der Handlung, sondern 
ülmzihqgrosse Llßälzll- und Schattenmassen, durch eine hurtige 
us.u ung des aumes; Stellungen und Bewegungen sind 
unililnttelbar aus  gemeinennLeben aufgegriffen, nicht ge- 
Wa lt. Wenn bei Tlzmn die hochste Lebensfreudiglzeit ihren 
Ausdruck in der Schönheit sucht, so begnügt sie sich hier 
mit dem Ausdruck einer bisweilen rohen körperlichen Macht. 
 P16 Art und Weise, wie Tintoretto zu dem ihm eigen- 
lhumllßllßh Styl gelangte, hing mit einem Vorwurfe zusam- 
Ilfßn, welcher schon damals gegen die venetianische Malerei 
1116 llnd da vorgebracht wurde. Er war eine kurze Zeit in 
der Schule des Tizian, stand sich aber mit letzterem nicht 
gut, und verliess ihn bald, um ein eigenthümliches Studium
        

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