Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166986
324 
Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Venedig. 
209. 
des 
XVI. 
Jahrhunderts 
blühte. 
Die 
Porträts 
dieses 
Künst- 
lers 
sind 
äusserst 
lebensvoll 
und 
mit 
höchster 
individueller 
Wahrheit gemalt, aber nie in einem erhöhten Zustande auf- 
gefasst, daher der Körper und dessen Haltung sehr häufig 
etwas Beschränktes hat (wie sich gerade der zu Portraitirende 
dem Maler gegenüber zeigte,  dagegen Tizians Portraits 
sich fast immer durch grossartigste künstlerische Abrundung, 
Ausfüllung des Raumes u. dgl. auszeichnen). In der Carna- 
tion hat Moroni gewisse, ein wenig violettliche Töne, in der 
Darstellung der Stoffe ist er vorzüglich. Gemälde von ihm 
kommen in vielen Galerien (z. B. der venetianischen Aka- 
11.demie, der Galerie Manfrini zu Venedig, den Uffizien zu 
12,Florenz u. s. W.) vor; sein eigenes, sehr lebensvolles und 
liebenswürdiges (und noch ein zweites nicht minder treffliches) 
13. Portrait im Berliner Museum. Eins der vorzüglichsten Meister- 
14.Werke ist das Bildniss eines Jesuiten in der Sammlung des 
Herzogs von Sutherland (Stalfordhouse) zu London; hier ist 
auch die Auffassung geistvoll und tief. In historischen Gemäl- 
den ist Moroni wenig bedeutend. 
Mit Moretto gleichzeitig blühte in Brescia Girolamo, 
il Romanino genannt; ein Künstler, der sich ebenfalls 
zumeist der venetianischen Schule anschloss, den Styl dersel- 
ben jedoch Wiederum in eigenthümlioher Weise ausbildete. 
Während Moretto sich durch Einfachheit und' Ruhe aus- 
zeichnete, so hat dieser etwas eigen Phantastisches rund leb- 
haft Bewegtes in seinen Compositionen, bisweilen wohl auch 
ein grandioses Pathos, was bei der einfachen, selbst flüchtigen 
Behandlung des Einzelnen noch mehr hervortritt. Bedeuten- 
dere Arbeiten von ihm kommen an mehreren Orten vor, In 
'15.Padua enthält die Sakristei von S. Giustina eine stattliche 
mMadonna in throno.  Ein todter Christus zwigghgn den 
Seinigen, vom Jahre 1510, im Pallast Manfrini zu Venedig, 
 ist ein wahrhaft grossartiges WVerk von rühfgndenl Ausdruck 
17_des Schmerzes. Ein Altarbild mit verschiedenen Heiligen, 
reich an den manniehfaltigsten Nebenwerken, u. a. m., ist 
im Museum von Berlin. Hier befindet sich auch die als das 
Hauptwerk Romaninois geltende Kreuzabnahme aus dem Hause
        

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