Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166960
322 
Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Venedig. 
208. 
209. 
ein Scherz, der sich auf die damaligen Rangstreitigkeiten 
zwischen Sculptur und Malerei beziehen dürfte.  Bedeuten- 
der jedoch als alle diese ist Calisto Piazza aus Lodi (vgl. 
oben S. 58), von dem sich in der dortigen Kirche dell, 
16.Incoronata eine bedeutende Anzahl von Gemälden aus Ider 
Geschichte Johannes des Taufers befindet, die in Bezug auf 
Reinheit des Sinnes und Tiefe der Charakteristik den schön- 
sten Werken der Schule zur Seite stehen. Aus früherer Zeit 
sind Gemälde von ihm  in Brescia (S. Maria di Calchera, 
17.Sakristei von S. Clemente) vorhanden, welche sich noch mehr 
an die lombardische Weise seines Vaters und Oheims anschlies- 
sen; sein erstes Hauptbild im venezianischen Styl (und zwar 
18. noch mehr unter dem EinHuss des Giorgione) ist eine aus- 
gezeichnete Himmelfahrt Maria vom Jahre 1533 in der Pfarr- 
kirche zu Codogno. In der Folge arbeitete er längere Zeit 
in Spanien.  
ä. 209. Ein eigenthümlicher Meister ist Alessandro 
Bonvicino von Brescia, gewöhnlich il Moretto di Brescia 
genannt (geb. gegen 1500, blühte 1515-1547), der im Anfange 
streng dem Tizianischen Style folgte, nachmals jedoch 
manches von der Richtung der römischen Schule aufnahm_ 
und sich somit eine eigene Darstellungsweise bildete, die sich 
durch eine einfache Würde, durch eine stille Anmuth und 
Hoheit auszeichnet, welche sich bisweilen zu Schöpfungen der 
allerhöchsten Art aufschwang. In solchen Fallen tritt eine 
Schönheit und Reinheit der Motive, ein Adel und eine 
Liebenswürdigkeit der Charaktere hervor, welche es unbe- 
greiflich machen, dass dieser Künstler bis vor wenigen Jahren 
einen nicht viel mehr als localen Ruhm genoss. Sein Colorit 
ist kühler als das der meisten Venetianer, aber nicht minder 
harmonisch; am glücklichsten ist er zu meist in ruhigen Altar- 
bildern, Während für bewegte Historienmalerei seine Bega- 
bung nicht immer ausreichte. Treftiiche Werke von ihm 
besitzt noch seine Vaterstadt, namentlich eine Himmelfahrt 
1. Maria in S. Clemente, ein heil. Joseph in S_ Maria (13119 
2- Grazie, eine schöne Krönung Maria in S. Nazario; Anderes 
3. ist, zum Theil erst vor Kurzem, nach dem Auslande gekommen.
        

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