Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166940
320 
Buch III. 
Italien. 
XVI. 
Jahrhundert. 
Tizian. 
tet wurden, vor manieristischen Verirrungen geschützt blie- 
ben. Zu diesen gehören zuerst mehrere Künstler aus seiner 
eigenen Familie: Sein Bruder Francesco Vecellio, von 
1. dem im Berliner Museum ein tüchtiges Altarbild vorhanden 
2. ist; sein Sohn Orazio Vecellio, ein ausgezeichneter 
Porträtmaler; sein Neffe und treuer Reisegefahrte Marco 
.3. Vecellio, von dem sich im Dogenpallaste und in S. Gio- 
vanni Elemosinario zu Venedig einige leidlich gute Arbeiten 
4. vorfinden. Auch sind hier Santo Zago und Girolamo 
di Tiziano, eigentlich Gir. Dante, zu nennen, gute 
Copisten des Meisters. 
Bonifacio Veneziano (1494-1563) ist ein tüchtiger, 
ruhiger, hie und da etwas handwerklicher Meister der vene- 
tianischen Schule und guter Nachahmer Tizians. Er kann 
als Beweis dienen, was Zeit und Umgebung auch aus einem 
ganz mittelmässigen Talente machen können. Venedig ist 
sehr reich an Bildern von seiner Hand, unter denen beson- 
ders diejenigen, welche einfach zusammengestellte Heilige 
oder heilige Familien enthalten, durch. ihre schlichte Tüchtig- 
keit "anziehen. In grösseren Compositionen reicht er nicht 
wohl aus; zu deren Durchdringung fehlt ihm Tizians Energie 
und die nachhaltige Kraft seiner Farben. Doch erfreuen 
solche biblische Geschichten (deren eine Menge von ihm vor- 
handen sind) immer durch eine Fülle lebendiger, ansprechen- 
der Gestalten und selbst hin und wieder durch reizvolle, welt- 
lich novellistische Behandlung. Hieher gehört besonders das 
5- "Gastmahl des reichen Mannes" in der Akademie zu Venedig, 
Es ist Nachmittag; in einer offenen Halle, an einem Tisch, 
auf welchem noch die Confektschüssel steht, sitzt der reiche 
Mann zwischen seinen beiden Buhlerinnen; die Eine scheint 
ihm, die Hand auf dem Herzen, Treue zu versprechen; die 
Andere hört sinnend einer Lautenspielerin und einem halb- 
knienden Violoncellisten zu, welchen ein Mohrenknabe das 
Musikheft hält, während ein bärtiger junger Nobile ihnen 
über die Schulter sieht. Links zwei Pagen an einem Kühl- 
becken, Wein naschend; rechts der arme Lazarus, von einem 
 Diener und einem Hunde abgewiesen; im Hintergrunde ein
        

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