Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166859
Altarbilder. 
Historische 
Compositionen. 
311 
Felsgegend (das beste Exemplar im Louvre) ist eine ergrei- 20. 
fende Darstellung gewaltiger Busse und sicher eines von den- 
jenigen Motiven, Wodurch Tizian am meisten auf die lllaler 
des XVII. Jahrhunderts eingewirkt hat.  Von _einer oft 21. 
wiederkehrenden Darstellung der heil. Magdalena befindet sich 
das beste Exemplar im Pallast Barbarigo, andere im Pallast 
Pitti, im Escurial, in den Studj zu Neapel, im Pallast Doria 
zu Rom etc. Einen tiefen sittlichen Schmerz muss man in 
diesen Bildern nicht suchen; es ist ein schönes sinnliches 
Weib, dessen Busse wohl kaum von Dauer sein wird.  Ein 
herrliches Altarblatt, Tobias mit dem Engel darstellend, betin- 22. 
det sich in S. Caterina zu Venedig; man glaubt darin die Bei- 
hülfe von Tizians Schüler Santo Zago zu erkennen. 
 g. 203. Tizian ist in denjenigen Darstellungen am vor- 
züglichsten, in welchen eine gewisse äussere Ruhe der Ge- 
stalten ihm Gelegenheit zur Entfaltung seiner eigenthümlichen 
Schönheit giebt. Selbst in der Himmelfahrt der Maria und in 
der Grablegung war dies der Fall. Anders ist es in denjenigen 
seltenen Darstellungen, in denen eine lebendig bewegte Hand- 
lung enthalten ist. Dergleichen ist seiner Natur fremd und 
man merkt hie und da den Zwang. S0 z. B. in der Dornen- 
krönung des Pariser Museums, wo der Meister in der Dar- 1. 
"Stellung des Gewaltsamen und Rohen das richtige Maass nicht 
finden honnte. Und selbst bei seinen beiden berühmtesten 
historischen Bildern bemerkt man, trotz" der höchsten denk- 
baren Begabung für alles lebendig Bewegte, dass die Schil- 
derung des Seins mehr seine Sphäre ist als die des Thuns. 
Das eine dieser Werke, die Ermordung des S. Petrus Martyr, 2, 
in S. Giovanni e Paolo zu Venedig, war allerdings für ein 
Aeolossales Altarblatt keine glückliche Aufgabe; der Heilige 
"blickt, das Schlages wartend, gen Himmel; was er leidet, sagt 
mehr der wilde Sprung des Mörders und die entsetzensvolle 
Geberde des Schülers; die Seenerie, ein dunkler Waldesrand 
mit Wolkenschatten, hinten in grellem Zwielicht das Gebirge, 
ist, wie bei Tizian durchgängig, überaus meisterhaft. Ungleich 3. 
bedeutender erscheint die Matter des h. Laurentius, ein eben- 
falls riesiges Altarbild in der Jesuitenkirche zu Venedig
        

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