Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166724
298 
Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Venedig. 
201. 
grund ist eine Barke mit vier glühend beleuchteten nackten 
satyrähnlichen Gestalten, prächtige Körper, besonders die 
beiden sitzenden Ruderer, keck, frei und höchst meisterhaft 
gemalt. Fabelhafte Seethiere tauchen auf ; auf dem einen 
reitet wiederum ein gchörnter Satyr. Am Ufer, in der 
Ferne, ist eine Stadt; links sieht man zuschauendes Volk. 
WVie die Auffassung des ebengenannten Gemäldes sehr 
cigenthümlich erscheint, so findet man überhaupt mannigfach 
in Giorgionds Bildern eine besondere, poetische Anschau- 
ungsweise, Welche sich eines Theils in allegorischen Bezie- 
hungen und Andeutungen (die jedoch nicht immer leicht zu 
entrathseln sein dürften), anderen Theiles in der Composition 
mehr novellistischer Scenen äussert und die eine bedeutende 
Verwandtschaft mit dem, heutigen Tages sogenannten „r0- 
mantisehen Genre" hat. Jene allegorischen Bilder tragen 
mehr das Gepräge seiner früheren Zeit und des BellinYschen 
13,Styles. Iilins der frühern Werke dieser Art (wie es scheint), 
der sog. "Astrolog", befindet sich in der Galerie Manfrini 
zu Venedig. Der Alte, in phantastischem Gewande, sitzt an 
einem Marmortische vor einem verfallenen Gebäude, in dessen 
gginer Nische eine verstümmclte Venus steht; Cirkel und 
Messingscheibe in der Hand schaut er hinaus; links warten 
ein geharnischter Jüngling und ein am Boden sitzendes 
Weib, welches mit einem vor ihr liegenden nackten Kinde 
spielt; fern in der Landschaft ausruhende Krieger unter 
19_ einem Baumef).  Ein eigenthümlich anziehendes Gemälde 
mehr novellistischen Inhalts, "aber von minder kräftiger Durch- 
führung, ist im Museum von Paris: eine Landschaft, in 
welcher zwei junge Männer mit zwei nackten Weibern, mu- 
sikalisehe Instrumente in den Händen, sitzen (das eine der 
WVeiber schöpft lrVasser aus einem Brunnen),  Wiederum 
ein Bild voll glühenden Lebens und edler Sinnlichkeit").  
ü) Herr v. Quandt, Uebersetzung des Lanzi 11., S. es, Anmerk. 
erkennt auch in diesem Bilde die Scene einer Novelle. 
H) Von Waagen, Paris, S. 461, dem ältern Palrna beigelegt.  
Im Kunstblatt 1846, Nr. 2 werden dem Giorgione auch neun schöne
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.