Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166695
Giorgione. 
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ist dieses Element der Technik Wiederum nur der Ausdruck 
einer besonderen höheren Aufassungsweise; es ist die Freude 
an dem Leben und dem Glanze des Lebens, was sich in 
allen edleren Leistungen dieser Schule ausspricht. Und von 
einer solchen Auffassungsweise ausgehend, wissen sie doch, 
obgleich dieselbe fast auf die Nachahmung des Nächstliegen- 
den beschränkt. scheint, das Leben nach allen Seiten und bis 
in seine Tiefen zu durchdringen und wiederum die grossar- 
tigsten Aufgaben zu erfüllen.  Zu bemerken ist übrigens, 
dass die Venetianer im Ganzen sehr wenig al freseo, sondern 
meist in Oel, auch die grossräumigsten Bilder, ausgeführt 
haben. Der Grund liegt sehr nahe, indem natürlich die Be- 
schaffenheit der Oelfarben ihre eigenthümliche Richtung un- 
gleich mehr begünstigen musste, als fdies bei der strengeren 
Technik der Frescomalerei möglich war. 
Eine sehr grosse Menge venetianischer Künstler ist in 
dieser Richtung mit grösserer oder geringerer Selbständigkeit 
thätig gewesen; zunächst jedoch reihen sie sich vorzugsweise 
um zwei Meister, Giorgione und Tizian, beides Schüler des 
Giovanni Bellini.   
g. 201. Giorgio Barbarelli di Castelfranco, ge- 
wöhnlich Giorgione genannt, wurde um 1477 geboren 
und starb 1511. Er ist der erste unter den Venetianern, 
welcher die alterthümliche Befangenheit der Bellinfschen 
Schule ablegte, und die Kunst mit Freiheit, den Auftrag der 
Farbe in einer kühnen entschlossenen Weise behandelte. 
Seine Gemälde haben insgemein den Ausdruck einer strengen, 
leuchtenden Kraft, einer innerlich verschlossenen Glut, welche 
zu der Ruhe, die äusserlieh in seinen Darstellungen zu 
herrschen pflegt, einen sehr eigenthümlichen Contrast bildet; 
es ist, möchte ich sagen, ein erhöhtes Geschlecht von Men- 
sehen, welches die Fähigkeit zu den edelsten und grossar- 
fast so hell sind, wie die beleuchteten Stellen." (Von Qllalldt, in 
der Uebersetzung von Lanzi's Geschichte der Malerei in Italien, II, 
S. 146, Anm.)
        

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