Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166539
195. 
Coreggio. 
279 
als eine durchgehende Eigenschaft in Coreggids Werken be- 
merkt wirdf") Diese Eigenthümlichläeit führt den Coreggio 
zu einer besonderen Behandlung seiner Aufgaben und zu 
einer besonderen Auswahl derselben. In seinen Darstellungen 
ist Alles Leben und Bewegung, selbst Humor, sogar in den- 
jenigen, wo eine feierlieheiRuhe vorgeschrieben zu sein 
scheint  den einfachen Altarbildern); es ist das über- 
quellende Gefühl des Lebens, der Drang zu Lust und Liebe, 
der sich in allen seinen Gestalten ausspricht; es ist der heitere 
Scherz der Kinderwelt, die Wonne und Leidenschaft der 
irdischen, die Inbrunst der himmlischen Liebe, was er fast 
überall dargestellt hat. Selten tritt in seinen Werken der 
Schmerz in diese Welt der Freude ein; aber er ist um so 
tiefer, je lebendiger der Künstler sonst die Freude zu fühlen 
vermag.   
Eine eigentliche Entfaltung schöner Formen tritt bei Co- 
reggids Werken im Ganzen sehr wenigff) hervor; die Be- 
weglichkeit, seiner Gestalten, welche ohne Rast die verschie- 
denartigsten perspectivischen Verkürzungen in diesem und 
jenem Theile des Gemäldes nöthig macht, steht damit in ent- 
sehiedenem Widerspruch; ja die Lust an solchen perspec- 
tivischen Darstellungen geht bei ihm so weit, dass er selbst 
die Madonna, die in ruhiger Göttlichkeit auf ihrem Throne 
sitzt, in der Regel aus der Tiefe gesehen darstellt, so dass in 
der Zeichnung ihre Knie die Brust berühren. Aber statt 
der Form ist bei Coreggio ein anderes Element der Schön- 
heit vorherrschend  dasjenige, welches man gewöhnlich 
unter dem Namen des Helldunkels bezeichnet; es ist das 
eigenthümliche Spiel von Licht und Schatten, welches über 
das Ganze seiner Werke wiederum eine harmonische Ruhe 
ausbreitet. Dies Element des Helldunkels ist zunächst eben- 
falls in jenem feineren Empündungsvermögen des Künstlers 
m) Es ist nicht Sentimentalität, sondern Sensibilität. 
Wk) Obiges Urtheil dürfte doch mit einiger Einschränkung z. B. in 
Betreff seiner Evangelisten und Kirchenväter etc. in S. Giovanni zu 
Parma, seiner Jo. etc. aufzunehmen sein. v. B1.
        

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