Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166519
Carottö. 
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hohen Werth dieses Meisters kennen zu lernen. Er vvar in 
der Schule des Andrea Mantegna gebildet, aber er hat wenig 
mit der Auffassungsweise dieses Meisters gemein; er neigt 
sich vielmehr ebenfalls zu der Weise des Leonardo und dürfte 
vielmehr durch dessen Einfluss seine eigenthümliche Rich- 
tung erhalten haben; zugleich jedoch lässt sich, namentlich 
wiederum in den späteren Werken, eine eigenthümliche An- 
näherung an RafaePs Styl nicht verkennen, ohne dass der- 
selbe jedoch, wie wir bereits so viele Beispiele gesehen ha- 
ben, verderblieh auf den Künstler eingewirkt hätte. 
In seinen früheren Werken erscheint Carotto noch etwas 
befangen und der älteren Richtung (namentlich dem Girolamo 
dai Libri) verwandt. Seine schönste Entwickelung zeigt er 
in den Werken, welche in der Kapelle degli Spolverini, in 1. 
der Kirche S. Eufemia zu Verona, enthalten sind. Das Altar- 
gemälde dieser Kapelle stellt in der Mitte die drei heil. Erz- 
engel, und zwei weibliche Heilige auf den Flügelbildern dar. 
Die Köpfe der Engel sind von überaus mildem und edlem 
Ausdrucke (besonders der Engel Michael voll einer eigenen 
himmlischen Reinheit), auch die Oberkörper sind sehr schön, 
die Beine minder gelungen. Die beiden Weiblichen Heiligen 
sind mehr statuarisch streng und kälter im Ausdrucke. Auf 
einer Seitenwand dieser Kapelle hat Carotto die Geschichte 2. 
des Tobias al fresco gemalt; sehr anmuthig ist von diesen, 
ebenfalls vorzüglichen Bildern besonders das unterste, wo die 
Mutter des Tobias ihre Schwiegertochter umarmt, während 
Tobias selbst die Augen des blinden Vaters heilt. Leider 
sind diese Fresken zum Tlieil übermalt und sehr beschädigt. 
Carotto hat ein warmes, verschmolzenes Colorit, welches 
auf eigenthümliche Weise mit der strengen Zeichnung seiner 
Formen contrastirt. 
        

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