Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166499
P eruzzi  
Carotto. 
275 
Als Mitarbeiter des Sodoma in dem Oratorium von 
S. Bernardino nannte ich den Sieneser Domenico Becca- 
fumi, welcher den Beinamen Meccherino führt. In jenen 
Werken nähert er sich der edlen einfachen Anmuth dieses 
Meisters auf erfreuliche Weise; ebenso ist auch in der Sie- 141 
neser Akademie ein schönes und grossartiges Altarbild von 
ihm vorhanden. In späteren Werken erscheint dieser Künstler 
jedoch ungleich flacher; er präsentirt nur die schönen äusseren 
Formen, die er von den Florentinern gelernt hat, malt indess 
stets mit hellen und dauerhaften Farben, so dass diese Werke 
(deren namentlich im öffentlichen Pallast zu Siena vorhanden 
sind) wenigstens eine angenehme Vlfirkung auf das Auge her- 
vorbringen. Zu den interessantesten Arbeiten aus Becca-17, 
fumi's späterer Zeit gehören die eigenthümliehen Darstellun- 
gen auf dem lilussboden des Sieneser Domes (im Chor), 
welche mosaikartig aus hellerem und dunklerem Marmor zu- 
sammengesetzt und mit niello-artigen Schattenstrichen ver- 
sehen sind. Aeltere Arbeiten dieser Art im Sieneser Dome 
(dem sie ganz eigenthümlich sind) sind nur in einfacher, dem 
Niello zu vergleichender Weise gezeichnet.  
Ich besehliesse die Reihe dieser sienesischen Künstler 
dem 
mit dem Baldassavre Peruzzi (1481- 
eineä bedeutendere Stelle in der G eschichte 
4536), der zwar 
der Baukunst ein- 
nimmt {er ist einer der vorzüglichsten neueren Architekten), 
jedoch auch unter den Malern eine ehrenvolle Erwähnung 
verdient. Sein Entwickelungsgang in der Malerei ist ähnlich 
wie der seiner sienesischen Zeitgenossen. S0 sind z. B. in 
dem Saale der Farnesina zu Rom, wo Rafael die (iialathea 13_ 
gemalt hat, Malereien seiner Hand an der Decke, welche 
noch ziemlich den alterthümlichen Styl des XV. Jahrhunderts 
erkennen lassen, gleichwohl viel Liebenswürdiges und An- 
Inuthiges enthalten. Bedeutender als diese, ebenfalls jedoch 19. 
noch vorherrschend alterthümlich, sind diejenigen Wand- 
gemälde, welche er an den Wänden der Altartribune von 
S. Onofrio zu Rom, unter den Kuppelgemälden von Pintu- 
ricchio, ausgeführt hat. Sie stellen eine Madonna. auf dem 
Throne mit Heiligen, auf der einen Seite die Anbetung der 
I8"
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.