Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166469
272 
Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Siena. 
193. 
einigen Malern zu Anfang des XVI. Jahrhunderts, namentlich 
 dem Jacopo Pacohiarotto in ansprechender Weise ge- 
lang (s. oben S. 101). Um jedoch die sienesische Kunst auf die 
Höhe des XVI. Jahrhunderts zu heben, bedurfte es eines bedeu- 
tenden Impulses, hauptsächlich eines Meisters, welcher die 
ganze künstlerische Durchbildung seiner Zeit in sich auf- 
genommen hatte.  
Ein solcher Meister fand sich in dem Lombarden Gia- 
nantonio Bazzi, gewöhnlich il Sodoma genannt (geb. 
etwa 1480, gest. 1549), einem Maler, der zu den anziehend- 
sten seiner Zeit gehört. Sodoma war aus Vercelli gebürtig 
und scheint unter dem Einüuss des Leonardo da Vinci ge- 
bildet worden zu sein; er liess sich nachmals in Siena nie- 
der und wurde Bürger dieser Stadt. "Er hat in seinen Fi- 
guren, besonders den weiblichen, viel Verwandtes mit dem 
Style des Leonardo, eine Anmuth, Zartheit und Süssigkeit, 
dabei zugleich einen Ernst und eine Innigkeit, wie sie viel- 
leicht bei keinem andern wiedergefunden wird; wäre das 
Schönheitsgefühl dieses Künstlers von grösserer Ausdauer ge- 
wesen, erschiene er nicht zuweilen in der Zeichnung seiner 
Figuren, in der Anordnung der Gruppen etwas mangelhaft, 
so müsste er als einer der ersten Künstler aller Zeit bezeich- 
L net werden. Die frühesten bekannten Arbeiten Sodoma's (um 
1502) sind sechsundzwanzig wohlerhaltene Wandgemälde aus 
der Geschichte des heil. Benedict im Kloster S. Uliveto mag- 
giore (unweit der Strasse von Siena nach Rom), wo bereits 
Luca Signorelli einige Gemälde ausgeführt hatte; hier er- 
scheint er noch ziemlich strenge und mit einem eigenthüm- 
2_ lichen Bestreben für Charakteristik. Bald darauf malte er in 
dem Refectorium des nahen Klosters S. Anna in Creta das 
Wunder von den fünf Broden, welches ebenfalls noch erhalten 
ist. Später malte er unter Julius II. in Rom. Seine Arbeiten 
im Vatican wurden jedoch bald wieder, bis auf einige Ara- 
besken und Zwischenfelder an den Decken, vernichtet, um 
.3. für Rafael Platz zu gewinnen. Erhalten sind einige Wand- 
malereien in. der Farnesina, wo er in einem Zimmer des 
Obergeschosses die Hochzeit des Alexander mit der Roxane
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.