Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166426
268 
Buch III. 
Italien. 
XVI. J ahrhlmdert. 
Rafael. 
191. 
worunter die vier Kirchenvater mit der Glorie der heiligen 
Jungfrau und des Gottvaters von vorzüglichem WVerthe sind. 
ILSchWacher ist das Bild der vier Kirchenvater im Berliner 
Museum. Von einer ganz andern Seite zeigt sich Dosso in 
 den mythologischen und phantastischen Darstellungen, Welche 
er mit Vorliebe behandelte. Ein noch befangenes, wahrschein- 
lich früheres Bild dieser Art ist das sog. Bacchanal im Pallast 
12-Pitti zu Florenz; eine abenteuerliche Carnevalgesellsehatt von 
Herren und Damen, zum Theil halb nackt, um einen Tisch 
gedrängt, auf welchem Masken, Tamburin u. dgl. liegen. 
Wenn hier die Composition noch überfüllt. und absichtlich 
13-erscheint, so ist der Maler in der „Zauberin Circe" (in der 
Galerie Borghese zu Rom) zu freier, novellistisclier Naivetät 
durchgedrungen. Angethan mit blau-roth-goldnem Pracht- 
gewand und reichem Turban sitzt die individuell anmuthige 
Gestalt in einer schönen Waldlandschaft, mit der Aussicht 
auf eine Stadt; der Augenblick des eben zu vollbringenden 
Zaubers drückt sich in der sichern, siegbewussten Geberde- 
aus, womit sie eine Kerze in einem F euertopf abbrennen 
lässt; sie hält in der Rechten eine Tafel mit magischen Zei- 
chen, zu ihren F üssen ein Zauberkreis, ein Panzer, ein Hund, 
zwei Vögel; an einen Baum sind mehrere Alräunchen be- 
14 festigt; in der Ferne lagern drei Cavaliere im Grase.  Eine 
wilde, nächtlich gesteigerte Phantasie offenbart sich vollends 
in demjenigen Gemälde, welches in der Dresdner Galerie „die 
15-Träume" benannt wird.  In seinen letzten Jahren (seit 
1554) malte Dosso mit seinem Bruder mehrere Gemächer 
des herzoglichen Pallastes von Ferrara aus; im Saal der 
Aurora sind noch die mythologischen Deckenbilder erhalten; 
Aurora auf ihrem "Wagen, Helios auf dem seinigen etc.; im 
langem Saal die Decke und ein vortrefflicher Fries mit See- 
nen des antiken Lebens, Bacchanal, Palästra, u. dgL; ähn- 
liche Gegenstände in der Sala del gran consiglio; in einem 
Kabinet ein mehr landschaftlich gehaltenes Bacchanal, an 
welchem auch Tizian gearbeitet hat, jetzt sehr verdorben. 
Manches erinnert an die Richtung des Giulio Romano, auch 
lässt sich schon neben vielem Vortreiflichen eine gewisse
        

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