Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166233
186. 
Farnesina. 
Bibienefs 
Badezimmer. 
249 
Saale, befindet sich noch ein Frescogemälde aus etwas früherer 
Zeit, vom Jahre 1514, Welches zum grössten Theil von Ra- 
fael's eigner Hand herrührt und somit in der Ausführung 
ungleich höher steht, als die eben genannten Malereien. Das 
Bild ist unter dem Namen der Galathea bekannt. Es 
"stellt die Göttin des Meeres dar, wie sie in ihrem Muschel- 
wagen über die Fluthen fährt; Tritonen und Nymphen, die 
sich in leidenschaftlicher Lust uinschlingen, um sie her; 
Pfeil-schiessende Amorinen, wie eine Engelglorie, in der Luft. 
Dies Bild athmet die höchste Süssigkeit, die glühendste 
Innigkeit des Verlangens, Alles lebt, fühlt, vibrirt, dem Ge- 
nusse hingegeben. Und wiederum tritt auch hier dem Be- 
schauer die hohe Reinheit, welche das Eigenthum der wahren 
Schönheit ist, entgegen, und um so mehr, als überall (mit 
Ausnahme der Gruppe zur Rechten der Göttin) die eine lau-  
tere Hand des Meisters den Pinsel geführt hat.  
Noch ist eine bedeutende Reihe älterer Kupferstiche (von 3. 
Schülern des Marc-Anton) bekannt, welche die Geschichte 
der Psyche, abweichend von jenen Fresken, darstellen und 
ebenfalls dem Rafael zugeschrieben werden. Vasari nennt 
jedoch als deren Verfertiger den Niederländer Michael Coxcie, 
der eine Zeitlang in Rafaelis Schule arbeitete. Wenn diese 
Blätter im Allgemeinen freilich nicht RafaeYs Kilnstverdiensten 
entsprechen, so sind doch einzelne und sogar die Mehrzahl 
der darin vorkommenden Gruppen von solcher Schönheit, 
dass man gleichwohl vermuthen darf, dass der Schüler 
hie und da Zeichnungen des Meisters zu seiner Arbeit be- 
nutzt habe.  
Andere höchst reizvolle Darstellungen mythischer Gegen- 
stände finden sich, leider sehr zerstört, in dem fälschlich so- 
genannten „ritir0 di Giulio III.", dem Badezimmer des 4. 
Cardinals Bibienar im vaticanischen Pallast, über RafaeYs 
Logen. An den WVänden sieht mein, in eine herrliche Ge- 
sammtdecoration eingefasst, sieben kleine Bilder, welche nebst 
den wenigen erhaltenen Resten an der Decke, das WValten 
und die Herrschaft der Liebe unter den Göttern darstellen. 
Sie sind grossentheils von Rafael erfunden und von seinen
        

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