Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166170
185. 
Bildnisse 
der 
römischen Zeit. 
243 
22jährige Jüngling, mit schwarzem Barett und langem blon- 
dem Haar, blicklt über die Schulter zum Beschauer hinaus 
und legt die Hand auf die Brust. Es ist ein italienisch 
glühendes Gesicht, voll schöner Sinnlichkeit, in die aber zu- 
gleich ein leiser melancholischer Zug und eine gewisse Schärfe 
des Ausdruckes hincinspielt. Die Malerei des Bildes ist weich 
und mit dunklen Schatten.  
La Fornarina (d. h. die Bäckerin, ein Name, welcher 
nicht über die lllitte des vorigen Jahrhunderts hinaufreicht), 
Rafaells Geliebte. Wie die Geschichte dieses Weibes, dem 
Rafael bis an seinen Tod zugethan war, dunkel ist, so ist 
man auch über ihre Bildnisse nicht ganz im Klaren. In der 
Tribune der Uffizien zu Florenz wird das (mit dem Datum 2. 
1512 bezeichnete) Brustbild eines schönen Weibes, Welches 
mit der rechten Hand den Pelzbesatz ihres Mantels fasst, für 
das ihrige ausgegebenle). Die Formen sind sehr edel und 
rein, die lllalerei äusserst zart, der venetianischen Technik 
verwandt; Hand und Arm reizend. Eigenthümlich sind die 
mit. "Gold aufgesetzten Verzierungen und die Goldliehter im, 
Haar. Das Bild ist zwar so viel als unzweifelhaft von Ra- 
fael's Hand, kann aber nicht wohl die Fornarina darstellen. 
Wenigstens hat es nicht sonderliche Aehnliehkeit mit dem 
zweiten Bilde der Fornarina, welches im Pallaste Barberini 3. 
zu Rom befindlich ist, auf dem Armbande den Namen Ra- 
faePs trägt und dessen Aechtheit (namentlich in Bezug auf 
den Gegenstand) nicht zu bezweifeln sein dürfte. Hier sitzt 
das WVeib bis auf den Gürtel nackt, mit den Händen das 
leichte Gewand an sich drückend, einen Shawl um die Haare 
geschlungen. Die Malerei dieses Bildes ist schön, weich und, 
bei strengen Linien, zart; die Formen fein und nicht ohne 
Reiz, aber zugleich auch nicht ohne das Gepräge sinnlicher 
4') Passavant (I. 184) vermuthet, es stelle die Improvisatorin 
Beatrice von Ferrara dar, wozu das ideale Costüm und der goldene, 
grün emaillilte Kranz im Haare wohl Vpassen würden.  Nach Missi- 
rini (bei Longhena, S. 3190) wäre das Bild nach Michelangelo von 
Sebastian del Piombo gemalt "und stellte die berühmte Vittoria C0- 
lonna, Marchesana. von Pescara, Michelangelds Freundin, daiü 
16 a
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.