Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166140
240 
Buch UI. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Rafael. 
184. 
heit zugleich eine allgemeine Idee, eine Weltansicht aus- 
spricht. Hier vornehmlich ist es die Tiefe und die Kraft des 
Gedankens, wovon der Beschauer bewegt wird und welche 
unmittelbar, ohne dass er eines Schlüssels zur Auflösung des 
Inhalts hedürfte, aus dem Bilde zu ihm spricht.  Das Bild 
zerfällt in zwei Theile, von denen der untere der Masse nach 
als der bedeutendere und vorherrschende erscheint. Hier 
sieht man auf der einen Seite des Bildes neun von den Jün- 
gern des Herrn versammelt; zu ihnen drängt von der andern 
Seite eine Schaar Volkes herein, welches einen besessenen 
Knaben mit sich führt. Der Knabe, dessen Glieder von dä- 
monischer Gewalt krampfhaft verzerrt. sind, wird von den 
Armen des Vaters gehalten, der mit Wort und Blick gewalt- 
sam Hülfe zu fordern scheint; zwei WVeiber zu seinen Sei- 
ten, von denen die hintere mit rührender Bitte, die andre, im 
nächsten Vorgrunde auf die Knies niedergeworfen, mit leiden- 
schaftlichem Ungestüm auf das Leiden aufmerksam macht. 
Alle rufend, bittend, flehend, die Arme nach Hülfe aus- 
streckend. Bei den Jüngcrn, die in verschiedenen Gruppen 
zusammengeordnet sind, wechselt Staunen, Entsetzen und 
Mitgefühl in den mannigfachsten Graden. Einer, dessen zar- 
tes, jugendliches Antlitz die innigste Theilnahme ausdrückt, 
wendet sich zu dem unglücklichen Vater, das eigne Unver- 
mögen zur Hülfe deutlich bezeichnend; ein andrer neben ihm, 
weist nach oben empor, noch ein andrer wiederholt diese Ge- 
berde. Der obere Theil des Bildes wird durch eine Anhöhe 
(zur Bezeichnung des Berges Tabor) gebildet; dort liegen 
die drei Jünger, die Christus mit hinaufnahm, von dem gött- 
lichen Lichte geblendet; und über ihnen, von wunderbarer 
Glorie umflossen, schwebt der Heiland in ruhiger Seligkeit, 
Bloses und Elias zu seinen Seiten, wie durch magnetische 
Kraft zu ihm hingezogen.  Die Doppelhandlting des Bildes, 
an welcher nüchterne Kritiker Anstoss genommen, erklärt 
sich historisch zur Genüge, sofern eben jene Begebenheit mit 
dem besessenen Knaben in der Abwesenheit Christi verging; 
aber sie erklärt. sich noch ungleich bedeutender, wenn wir 
_-den tieferen allgemeingültigen Inhalt des Bildes berücksich-
        

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