Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1166083
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Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Rafael. 
184. 
ursprünglich für die Kirche S. Domenico in Neapel (um das 
Jahr 1513) gemalt f). Das Bild stellt Maria mit dem Kinde, 
auf dem Throne sitzend, dar; auf der einen Seite den heili- 
gen Hieronymus, auf der andern den Schutzengel mit dem 
jungen Tobias (der einen Fisch tragt). Der Künstler hat das 
Bild zum Gegenstande einer wundersam idyllischen Handlung 
gemacht. Hieronymus nämlich, auf der Stufe des Thrones 
knieend, hat der Mutter und dem Kinde aus einem Buche 
vorgelesen, bei Welcher Beschäftigung sie durch die Eintreten- 
den unterbrochen werden. Sich gegen diese wendend, legt 
Christus die Hand auf das Buch, gleichsam die Stelle fest- 
zuhalten, bei welcher die Unterbrechung eingetreten war. 
lWIaria wendet ihr Angesicht zu dem Engel, welcher den Tobias 
verführt, während sich dieser, schüchtern zu dem göttlichen 
Knaben aufblickend, auf die Kniee niederlässt. Hieronymus 
blickt über das Buch auf die Ankömmlinge, gleich einem, der 
bereit ist, nach Ablauf der Störung in seinem Geschäfte fort- 
zufahren. Alle Gestalten dieses Bildes haben das Gepräge 
der holdesten WVürLle, der edelsten Anmuth. Die Hoheit und 
Milde in der Gestalt und in den Zügen der Maria, die liebe- 
volle Zuneigung des Kindes, der nachdenkliche Ernst des 
Hieronymus, die leichte, vorgeneigte Gestalt des Engels, die 
unausspreehlich reizende Naivetät des Tobias bilden ein Gan- 
zes von schönster Harmonie, voll der edelsten Nachwirkung 
auf das Gemüth des Beschauers. 
Das bedeutendste dieser drei Werke ist die Madonna 
des heil. Sixtus, in der Galerie zu Dresden, 1111111518 ge- 
nlalt. Hier erscheint Maria als die wirkliche Königin der 
himmlischen Heersehaaren, im Glanze einer Glorie von un- 
zähligen Engelskölafen auf Wolken schwebend, den ewigen 
Sohn in ihren Armen. Zu ihren Seiten knieend der heilige 
Sixtus und die heilige Barbara, welche beide wieder die Dop- 
ä) Und zwar für diejenige Kapelle derselben, wo besonders um 
Heilung von Augenübeln gebetet wurde. Damit erklärt sich die Her- 
beiziehilng des jungen Tobias mit dem Fisch, welche den Auslagern 
so viele Mühe gemacht hat. St. Hieronymus seinerseits hat einen 
Cummentar des Buchs 'l'obias geschrieben.
        

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