Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165980
924 
Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Rafael. 
181. 
182. 
Vater, die Arme erhoben im Schöpfungsakt, umgeben von 
Seraphim; ringsherum in acht Feldern die sieben Planeten 
als mythologische Halbfiguren, und ein Cherub als Herr des 
Fixsternhimmels; Weiter abwärts die Sternbilder des Thicr- 
kreises, und darauf sitzend oder gelehnt Engelsgelstzilten von 
wunderbarer, einfacher Schönheit, welche wir in der Auffas- 
sung etwa mit den Sibyllen in S. M. della Pace vergleichen 
möchten. Leider hat das Ganze sehr gelitten. 
 182. Rafael ist, wie ein jeder Künstler, stets da am 
Vollendetsten, wo keine fremdartigen Einflüsse störend auf 
ihn leinwwiirkten, wo er frei und unabhängig dem Drange sei- 
nes Innern, der Richtung seines Gemüthes gefolgt ist. Sein 
Element vor Allem War, ich Wiederhole es, die Grazie, die 
Schönheit der äusseren Form, sofern diese der Ausdruck 
innerer Sittlichkeit ist. Daher gehören, trotz jener gross- 
artigen Aufgaben, womit die Päpste ihn beschäftigten, vor- 
nehmlich die Madonnen und heiligen Familien, deren 
er eine grosse Menge geschaffen, zu denjenigen Werken, 
welche seine Eigenthümlichkeit in klarster Entfaltung zeigen. 
Hier konnte jene Grazie sich vollkommen frei und ungehin- 
dert aussprechen. Schon seine Jugendwerke, von denen ich 
früher gesprochen habe, bewegen sich am liebsten in Dar- 
stellungen dieser Art; und wenn diefrühesten Arbeiten ein 
eigenthümlich träumerisch sinniges Gepräge, die späteren 
eine heitere freie Auffassung des Lebens zeigen, so halten 
die hieher gehörigen Werke seiner dritten Periode die glück- 
lichste Mitte zwischeuHeiterkeit und Würde, zwischen un- 
schuldigem Spiele und tiefsinniger Erschöpfung des Gegen- 
standes. Sie bewegen sich in anmuthvollster Freiheit und 
doch herrscht stets eine Gemessenheit darin, Welche das zar- 
teste Gefühl für die Gesetze der Kunst verräth; sie stellen 
das innigste Verhältniss des menschlichen Lebens, darauf 
alle Sittlichkeit sich gründet, das Verhältniss der Familie dar, 
wund doch weht ein eigenthümlicher Hauch höherer Ileiligung 
ed 
inc. 
del Popolo in Roma, inv. da Rafaele Sanzio, 
me 1-, illustr. da_ Ant. Grifi, Roma 1839; 
da L. Gru
        

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