Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165963
222 
Buch III. 
Italien. 
XVI. 
Jahrhundert. 
Itafael. 
181. 
rhythmische Anordnung des (janzen gebracht. Eine wunder- 
same Anordnung in den Stellungen und Bewegungen, eine 
eigenthümliche Harmonie der Formen und des Colorits geht 
durch das ganze Bild (in dem nur leider hie und da bedeu- 
tende Restaurationen nöthig geworden sind). Sehr interessant 
ist der Vergleich dieses Werkes mit Michelangelds Sibyllen, 
der jeden der beiden Meister in seiner eigenthümlichen Treff- 
lichkeit. zeigt: während letzterer in seinen Compositionen 
grossartig, erhaben und tiefsinnig erscheint, so tragt Rafael 
auch in diesem Gemälde das Gepräge seiner heiteren und 
cffenen Anmuth. Die vier Propheten an der Wand über den 
Sibyllen sind nach Zeichnungen Rafaclls von Timoteo della 
Vite ausgeführt. 
Weniger zu Rafaelis Gunsten fällt ein solcher Vergleich 
bei dem zweiten Frescobilde aus, welches er schon zwei 
2, Jahre früher an einem Pfeiler der Kirche S. Agostino zu 
Rom ausführte. Es stellt den Propheten Jesaias dar, 
hinter dem zwei Genien eine Inschrifttafel halten. Hier sieht 
man ein absichtliches Bestreben, der Gewalt des Michelangelo 
nachzueifern, statt deren aber nur, bei allen Vorzügen der 
Technik im Einzelnen, ein übertriebenes, selbst affektirtes 
Wesen zu Tage gekommen istü). 
In Bezug auf den Vergleich mit Michelangelo ist hier 
3. noch ein kleines Oelbildchen anzuführen, welches Rafael be- 
reits im Jahre 1510 gemalt haben soll, das aber, nach seiner 
i?) Dass schon in demselben Jahre 1512, in welchem der Jesaias- 
entstand, der Einfluss Michelangelds auf Rafael eine anerkannte Sache 
war, beweist der Bericht Sebastian del Piombds über seine merkwür- 
dige Audienz bei Julius II., abgedruckt bei Gaye, Cartegg. 11., S, 
477 u. f. Wenn dem Sebastian zu trauen ist, drückte der Papst sich 
so aus: "Betrachte nur die Werke RafaePs! seitdem ei- die Arbeiten 
Michelangelds gesehen, hat er sogleich ( 8145170) die Manier des Peru- 
gino verlassen und sich soviel als möglich der des Michelangelo ge- 
nähert faccostavaj." Gaye bezieht dies auf den Carton des letztern 
in Florenz, allein die florentinischen Werke RafaePs lassen noch so 
wenig von der Einwirkung Michelangelds spüren, dass man viel eher 
an die Decke der sixtinischen Kapelle zu denken hat, von welcher 
wenigstens ein Theil schon im Jahre 1509 dem Publicum sichtbar war.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.