Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165922
218 
Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Rafael. 
178. 
179. 
unterscheiden sichr die Parteien der verschiedenen philosophi- 
schen Sekten, der Stoiker, Epikuräel- u. a. m. Die Sophisten 
streiten, andre stehen zweifelnd oder in träger Gleichgültig- 
keit, beobachtend oder im Nachsimlen in sich gekehrt, andre 
voll Glauben von der Wahrheit ergriffen. 
5. Paulus im Gefängnisse zu Philippi beim 
Erdbeben. Zur Andeutung des letzt.eren erscheint. ein 
Riese in der Oeffnung der von ihm erschütterten Erde. Hin- 
ter dem Gitter des Gefängnisses der Apostel betend, Wächter 
vor demselben. (Sehr schmale Tapete, der Carton nicht mehr 
vorhanden.) 
Diese sammtlichen Darstellungen sind auf ihren Rändern 
mit Zierrathen umgeben, welche dem Styl der Verzierungen 
in den Logen, von Giov. da Udine, verwandt sind. Die Sei- 
tenstreifen sind, im Geschmack der Arabesken, mit anmuthi- 
gen Figuren meist mythologischen Inhalts in natürlicher 
Farbe geschmückt. An den Sockeln, unter den Hauptbildern, 
sind kleine friesartig componirte Bilder in Bronzefarbe. Die 
unter den Darstellungen der zweiten Reihe enthalten Scenen 
der Alaostelgeschichte, welche mit den Islauptbildern in Zu- 
sammenhang stehen und die Weitere Folge und Verbindung 
der einzelnen Geschichten vorführen. Die Sockelbilder der 
ersten Reihe stellen Begebenheiten aus der früheren Geschichte 
'Le0's dar; sie sind durchweg im Style antiker Reliefs behan- 
dclt, womit jedoch das bei den Wichtigsten Portraitfiguren 
beibehaltene Costüm der Zeit in guten Einklang gebracht ist. 
Beide Reihen geben neue Belege von dem durchwaltenden 
Schönheitssinn und von dem'Geschmack des Künstlers, der 
auch dem minder Bedeutenden das eigenthümliche Gepräge 
seines Adels zu geben wusste. 
g. 179. In derselben Galerie des Vaticans, wo die eben 
beschriebenen Tapeten aufbewahrt werden, beündet sich noch 
eine zweite Folge derselben, deren Erfindung ebenfalls 
Rafael zugeschrieben wird. Dies sind zwölf an der Zahl, 
von höheren Dimensionen, und ohne jene verzierenden Bei- 
werke. Sie stellen Begebenheiten aus dem Leben Christi 
vor und sind ohne Zweifel erst nach jenen angefertigt, wohin
        

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