Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165818
176. 
Vatican. 
Incendio 
Borgo. 
del 
207 
auf den Stufen der Kirche versammeltes Volk, welches um 
Hülfe fleht. Zu beiden Seiten des Vordergrundes brennende 
Häuser. Aus dem zur Linken des Besehauers flüchten die 
Bewohner, mehr oder minder nackt, mannigfach bemüht in 
Sorge für eigne und mehr für die Rettung der Angehörigen; 
zur Rechten sind Männer mit dem Löschen der Flamme be- 
schäftigt, Weiber tragen Gefässe mit Wasser herbei. In der 
Mitte eine Gruppe von Weibern und Kindern, sich ängstlich 
zusammendrängend und zu dem Papste um Rettung liebend. 
Das Ganze zeigt einen Wechsel edler und schöner Gestalten, 
die in mannigfach bewegten Aiiekten vereinigt sind. Hier 
konnte sich der Künstler mit vollkommenster Freiheit be- 
wegen und seinem Gefühle für grossartige Anmuth der Form 
vollkommen Genüge leisten, ohne das Interesse des Gegen- 
standes zu gefährden, wenngleich freilich durch die besondere 
Auffassung des Gegenstandes die Haupthandlung in die Ferne 
gerückt wurde und für das Gefühl des Beschauers die er- 
greifendere Bedeutung verlor. So sind hier die Gestalten 
jener beiden jungen Weiber, welche die Wasserkrüge tragen 
und deren Gewänder vom Sturm in grossartige Falten ge- 
trieben werden, von höchster Schönheit. Bei den nackten 
Gestalten auf der anderen Seite bemerkt man dagegen, so 
schön auch namentlich die Composition der Hauptgruppe ist, 
ein gewisses absichtliches Bestreben, die Meisterschaft in der 
Form bedeutsam hervortreten zu lassen,  vielleicht den 
mächtigen Gestalten Michelangelds etwas Gleichartiges an 
die Seite zu setzen, was in gewissem Grade das Interesse des 
Beschauers erkalten macht. Dazu kommt freilich, dass ge- 
rade diese Partie des Bildes  mannigfache Mängel in der 
Farbengebung (namentlich unangenehm schwärzliche Schatten 
in der Carnation) zeigt, wie denn überhaupt in dem ganzen 
Bilde die Hülfe von Seiten der Schüler bedeutend hervortritt. 
Minder bedeutend sind der Composition nach die anderen 
Gemälde dieses Zimmers:  
313er Sieg bei Ostia über die Saracenen, die 
unter Leo IV. in Italien eingefallen waren. Nicht von Rafael 
ausgeführt.
        

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