Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163916
132. 
Fra 
LipPi- 
FiliPPo 
17 
Seeräubern überfallen und als Sklaven nach der Berberei ge- 
führt. Achtzehn Monate trug Ifilippo hier die Kette, bis er 
einst seinen Herrn mit der Kohle so sprechend auf die Wand 
zeichnete, dass dieser ihn frei liess und, nachdem er ihm noch 
Mehreres gemalt, reichlich beschenkt wieder heim sandte. 
Aber auch die ganze Folgezeit seines Lebens ist ein Roman, 
da er fortwährend in Liebesabenteuer verwickelt war. Aus 
dem hlargarethenkloster zu Prato entführte er (1457  die 
Lucrezia Buti, welche sich eben dort befand und lebte her- 
nach mit ihr zusammen; ein Sohn, der aus diesem Verhält- 
niss entsprang und den Namen des Vaters erhielt, wurde 
nachmals. ein nicht minder berühmter Maler. Fra Filippo 
starb plötzlich und wie man argwöhnte, an Gift, das ihm die 
Verwandten der Lucrezia beigebracht; die Dispensation des 
Papstes zu seiner Heirath mit der letzteren, die ihm durch 
seine mächtigen Gönner, die Mediceer, ausgewirkt worden 
war, kam zu spätf).   
Fra Filippds bedeutendstes Werk sind die Fresken im 2. 
Choro des Domes von PratoH), wo er an der linken Seiten- 
wand, in mehreren Feldern übereinander, die Geschichte des 
heil. Stephan, crechts die Geschichte Johannes des Täufers, 
zu den Seiten des Fensters mehrere einzelne Heilige darstellte. 
Diese ÄMalereien, die  namentlich die unteren  in be- 
deutendem Maassstabe ausgeführt sind, zeigen allerdings eine 
gewisse Grossartigkeit, besonders in den Gestalten jener ein- 
zelnen Heiligen; doch ist diese Grossartigkeit nicht ganz 
3') Wir haben obige Darstellung nicht aus dem Zusammenhang 
reissen wollen, müssen aber allerdings hinzufügen, dass die ganze Er- 
zählung Vasarfs, der Austritt aus dem Kloster, die Episode der 
maurischen Gefangenschaft, sein Verhältniss mit Lucrezia Buti (sammt 
Seiner Vaterschaft Filippinds) gegenwärtig nur noch als Dichtung zu 
betrachten sind. Vergl. Gaye, Carteggio I, S. 141, 175 u. s. w., 
und Crowe u. Cavalcaselle II, 319-333. In einem Originalbrief an der 
zuerst citirten Stelle nennt er sich selbst den ärmsten Klosterbruder 
von, Florenz, der für sechs mannbare Nichten zu sorgen habe. 
M?) Delle Pitture di Fra Filippo Lippi nel coro della cattcdrale 
fli Prato, e dzf Zoro restauri, relaziovze compilata däl Ü- F- B. (Ca- 
nonicus Baldanzi), Prato 1835. Vgl. Kunstbl. 1836; N0. 90. 
Kuglcr Malerei II. 2
        

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