Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165796
Vatican. 
Befreiung Petri. 
Attila. 
205 
Mittel verleiten kann, so trat jetzt auch noch ein äusserer 
Umstand hinzu, welcher die Sorgfalt, womit Rafael in den 
ersten Jahren seines Aufenthaltes zu Rom für die vaticani- 
sehen Stanzen arbeiten musste, auf mannigfach andre Gegen- 
stände zerstreute. Das Gemälde der Messe von Bolsena war 
im Jahre 1512 beendetkworden; 1513 starb Julius II. und 
Leo X. trat an dessen Stelle, ein Fürst, dem es bei allem 
feingebildeten Geschmack doch mehr um ausgedehnten Glanz 
und Pracht, als um energische Durchbildung des Einzelnen 
zu thun gewesen zu sein scheint. Aufträge mannigfach ver- 
schiedener Art beschäftigten von jetzt ab den jungen Meister; 
die Arbeiten in den Stanzen traten nach und nach in den 
Hintergrund, Vieles musste den Schülern zur Ausführung 
überlassen bleiben, Manches auch wurde gleich von vorn 
herein in der Composition mit befremdlicher Nachlässigkeit 
behandelt.  Doch gehören die ersten drei Bilder, Welche 
Rafael unter Leo X. in diesen Gemächern ausführte, noch 
unter die bedeutenderen Werke seines Pinsels. Zwei von 
diesen füllen die beiden letzten Wände der Stanze des 
Heliodor. 
3) Die Befreiung Petri aus dem Gefängniss des 
Herodes (Fensterbild). Die Darstellung zerfällt in drei Theile, 
welche verschiedene Momente der Begebenheit enthalten. 
Ueber dem Fenster blickt man, durch ein Gitter, in das 
Innere des Gefängnisses, wo der Engel den schlafenden Pe- 
trus zwischen den Wächtern erweckt. Zur Rechten des Fen- 
sters leitet er ihn durch die auf der Treppe schlafenden 
Wächter hinab. In diesen beiden Darstellungen, die durch 
schöne Anordnung ausgezeichnet sind, werden die Personen 
durch das strahlende Licht, welches von dem Engel ausgeht, 
erleuchtet. Zur Linken des Fensters erwachen die Wächter; 
Mond- und Fackellicht erhellt diese Gruppe. Das ganze Bild 
ist seines kunstreichen Lichtetfektes wegen berühmt. Es ent- 
hält, wie man vermuthet, eine Anspielung auf die Gefangen- 
schaft Leoiß X, aus der er gerade ein Jahr vor seiner Er- 
hebung zum Pontiticat befreit worden war. 
4) Attila, an der Spitze seines Heeres, welcher durch
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.