Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165749
200 
Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Rafael. 
176. 
Ritus der Kirche feststehenden Symbole der Erlösung. Das 
Sacrament schon an sich erklärt hier dem christlichen Be- 
Schauer den Punkt, um welchen sich die Thätigkeit der Ver- 
sammelten dreht. Doch ist es eben nichts weiter als nur ein 
Symbol,  für den Sinn, für das Gefühl unfassbar. Daher 
oben die Glorie des Himmels, welche den Erlöser selbst und 
die Verkünder und die Zeugen seiner Sendung darstellt. 
Hiedurch wirkt das Bild unmittelbar auf den Beschauer und 
es sind ihm  sofern er überhaupt mit den Gestalten des 
christlichen Mythus vertraut ist  keine ferneren Räthsel zu 
lösen. Nur dürfte es, was die Total-Wirkung des Bildes an- 
betrifft, zu tadeln sein,  nicht sowohl dass dasselbe in zwei 
gesonderte Theile zerfällt, als vielmehr, dass keiner von die- 
sen der Masse nach vorherrscht, dass keiner als der eigentlich 
Wesentliche hervortritt. 
Bei dem Wandbilde der Poesie dienen die Gestalten des 
Apollo und der Musen zur Erklärung des Inhalts und auch 
sie sind, als einem wohlbekannten Fabelgebiete angehörig, 
vollkommen genügend. Zugleich sind hier die Dichter mit 
ihnen in eine ansprechende, vertrauliche Nähe vereinigt, er- 
scheinen sie gewissermaassen als die Wirthe, jene als die 
Gäste des Parnasses, so dass sich hier ein, dem Gedanken 
wie dem Gefühle nach, vollkommen abgerundetes Ganze bil- 
det und das Gemüth des Beschauers von der schönsten Ruhe 
erfüllt wird. Dies Bild ist wie ein zartes heiteres Gedicht; 
es gewährt dem betrachtenden Auge ein in sich verständliches 
Ganze und lässt allmälig und von selber seine tiefere Bedeu- 
tung verstehen. 
Bei dem Wandbild der Philosophie dagegen fehlt fast 
alle bestirnmtere Angabe seines eigentlichen Inhalts. Es ist 
in dem Bilde selbst keine allegorische, keine poetische Figur 
vorhanden (jene seitwärts in den Nischen stehenden Statuen 
des Apollo und der Minerva. reichen hiezu nicht hin), die uns 
näher erklären könnte, welches specielle Interesse die hier 
versammelten, wenigstens die obere Hälfte derselben, bewegf"). 
 Dass diese Bemerkung 
8US 
nicht 
der Luft gegriffen ist, 
bewei-
        

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