Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165729
198 
Buch III. 
Italien. 
XVI. 
Jahrhundert. 
Rafael. 
176 
nebeneinander, ohne dass jedoch Steifheit oder Zwang irgend- 
wie sichtbar würde; nach den Seiten und der Tiefe zu löst 
sich diese Haltung zu grösserer Freiheit, und die Gruppen 
bilden sich aus Stellungen der mannigfachsten Art, so jedoch 
wiederum, dass im Ganzen und Wesentlichen die Gegen- 
seitigkeit aufs Genügendste beobachtet bleibt. Der Styl ist 
grossartig und frei , durchweg ist eine malerische Gesammt- 
Wirkung bezweckt und aufs Vollkommenste erreicht. Die 
Zeichnung im Nackten wie in den Gewändern, ist höchst 
vollkommen und überall von dem edelsten Schönheitsgefühle 
geleitet; die Gruppe der Jünglinge vornehmlich, welche um 
den Archimedes versammelt sind, gehört zu dem Liebens- 
würdigsten und Naivsten, was Rafael geschaffen hat. 
4) Die Jurisprudenz (Fensterwand). Die Darstel- 
lungen dieser Wand zerfallen in drei getrennte Gemälde. 
Ueber dem Fenster, von dem Bogen des Gewölbes einge- 
fasst, erblickt. man drei sitzende weibliche Gestalten, Personi- 
ficationen der Klugheit (oder Vorsicht), der Stärke und 
Mässigung, als derjenigen Tugenden, ohne deren Begleitung 
die Rechtswissenschaft nicht ins Leben treten kann. Die 
Klugheit sitzt erhöht über den beiden andern in der Mitte; 
sie hat nach vorn ein jugendliches, nach hinten ein Greisen- 
gesiebt (den Blick in die Zukunft und in die Vergangenheit 
bezeichnend); ein Genius hält ihrem jugendlichen Gesicht 
einen Spiegel, ein andrer ihrem alten Gesicht eine Fackel 
vor. Die Stärke ist ein geharnischtes Weib in kühner Be- 
wegunga"), einen Eichenzweig in der Hand, einen Löwen 
neben sich. Die Mässigung trägt einen Zügel in den Hän- 
den. Andre Genien sind zu den Seiten auch dieser Figuren 
zur Ausfüllung des Raumes angebracht. Es sind reizvolle 
und würdige Gestalten, die beiden äusseren voll schönen 
Affektes, der indess vielleicht jene Ruhe, welche man bei 
allegorischen Wesen verlangt, in Etwas stören dürfte.  Zu 
den Seiten des Fensters ist die eigentliche Wissenschaft des 
 Sie scheint der allegorischen Figur 
ken des Cambio in Perugia nachgeahmt. 
der 
Stärke 
Fres- 
unter den
        

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