Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165590
5-175 
Zweiter 
Horentinischer 
Aufenthalt. 
Madonnen. 
185 
Fächerpalme und halt das Christuskind auf ihrem Schoosse, 
dem der heilige Joseph knieend Blumen überreicht.  Doch 
ist letzterer entweder von einer andern, unbedeutenden Hand 
gemalt oder ganz und gar übergangen. Das Bild ist über- 
haupt in schlechtem Zustande.  
An dieses Bild dürfte sich zunächst die „Jungfrau im 2.- 
Grünen", in der k. k. Sammlung zu Wien, anschliessenf" 
Hier ist Maria in einer anmuthigen Landschaft. dargestellt, 
das Christkind vor ihr, stehend, welches sie mit beiden 
Händen unterstützt, der kleine Johannes zur Seite knieend, 
der dem Gespielen ein Rohrkreuz überreicht und zu dem sie" 
sich liebevoll umwendet. Ein Bild von zarter Anmutli und 
Lieblichkeit, welches mehr als irgend ein anderes im Aus-r 
drück der Köpfe, in der Körperbildung der Kinder, selbst 
im Faltenwurf und in dem tiefen, bräunlichen Tone der Land- 
schaft den Einfluss Leonardds zeigt.  Verwandt mit dieser 
Composition sind zwei andre Bilder. Das eine ist die Ma- 3. 
dünna del Cardellino in der Tribune der Üffizien zu 
Florenz. Hier überreicht der kleine Johannes dem Christ- 
kinde einen Stieglitz (daher der Name des Bildes). Gestalt 
und Gesicht der Maria sind hier von der reinsten Schönheit, 
ihr ganzes Wesen ist der Ausdruck eines beseligenden Frie- 
dens. Auch Johannes ist ungemein zart; bei dem Christ- 
kinde jedoch überstieg die Aufgabe, welche sich der Künstler 
gesetzt hatte, göttlichen Ernst und Hoheit im Kinde darzu- 
stellen, noch seine Kräfte, und die Figur wie der Ausdruck 
des Gesichtes sind noch steif und etwas pretiös.  Das dritte 4. 
dieser Bilder ist die sogenannte schöne Gärtnerin (la 
belle jardiniere), bez. 1507, im Museum von Paris. Dies Bild 
gehört der späteren Zeit von RafaePs Aufenthalt in Florenz- 
an, und wenn es eine ziemlich ähnliche Composition, wie die 
beiden obengenannten, darstellt, so ist hier doch alles Un- 
genügende und Beengende verschwunden. Es ist ein Bild 
der freundlichsten Heiterkeit, der liebevollsten Amnuth und 
Unschuld; zwischen blühenden Kräutern, wie in einem Gar- 
ten (daher wohl der Name) sitzt hier hlaria; Christus steht 
vor ihren Knieen und Johannes kniet in kindlicher Hingebung
        

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