Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165569
182 
Buch III. 
Italien. 
XVI. 
Jahrhundert. 
Rafael. 
174. 
finden wir ihn mit mehreren grossen Arbeiten in Perugia 
beschäftigt, die zugleich auch nur erst die allgemeine Ein- 
wirkung der Horentinischen Kunst  in Bezug auf Reini- 
gung, Fülle und klarere Entfaltung der Form  mit Bei- 
behaltung mannigfacher Motive der peruginischen Schule er- 
kennen lassen. 
Zunächst ist hier das wahrscheinlich schon früher begon- 
nene, aber jetzt erst vollendete Gemälde anzufiihren, welches 
Rafael für das Nonnenkloster S. Antonio di Padua zu 
Perugia verfertigte und welches sich gegenwärtig, nachdem 
es einige Zeit imlßesitz des Hauses Colonna zu Rom ge- 
daj aufgenommene Compositionsweise des betreffenden Gegenstandes 
ergeben habe, zumal da von Leonardds schon damals weltberühmtem 
Abendmahl wenigstens Skizzen oder Nachrichten zu ihm gedrungen 
sein mussten. Die Inschrift am obern Saum des Kleides des heiligen 
Thomas, selbst wenn man die (immerhin sehr streitige!) Lesart 
R(a)PH(ael) VR(binas) MDetV zugiebt, beweist noch nicht für das 
ganze Bild, sondern nur für den betreffenden, allerdings ausscrordent- 
lich schönen Kopf. Rafael hat sich in andern Fällen, z. B. bei der 
Kirchenfahne von Citta di Castello, bei der belle Jardiniere, nicht ge- 
scheut, seinen Namen im Gewande der Hauptfigur anzubringen, selbst 
wenn es Gottvater war.  Aber auch äussere Gründe machen Ra- 
fael's Urheberschaft fast undenkbar. Florenz war im Jahre 1505 über- 
reich an einheimischen Kräften, zum Theil ersten Ranges, welche 
 selbst die namhaftesten Ausländer nur sehr schwer aufkommen liessen 
geschweige denn einen  wenigstens in diesen Kreisen  noch gan; 
unbekannten Jüngling. Ueberdiess wandte Rafael die Wenigen Monate 
seines ersternAufenthaltes zu Florenz gewiss auf andere Dinge als auf 
eine so umfangreiche eigene Unternehmung, welche ihn ausschliesslich 
hätte in Anspruch nehmen müssen; eine neue WVelt von Kunstwerken, 
von den Fresken Masaccids bis auf die jüngsten und herrlichsten 
Schöpfungen der Zeitgenossen, lag damals plötzlich vor ihm offen, und 
wenn wir von irgend einer Epoche seines Lebens annehmen dürfen, 
dass sie wesentlich eine aufnehmende, innerlich verarbeitende gewesen, 
so ist es diese. Inzwischen kann die Kunstgeschichte bei der noch 
immer dauernden Erörterung hierüber nur gewinnen. Einem wahrhaft. 
abschliessenden Ergebniss, welches es auch sei, wird' sich Jedermann 
' gerne fügen. B. 
Ein solches dürfte sich, nach übereinstimmendem Urtheil der Kenner, 
jetzt im negativen Sinne ergeben haben. Die meiste Wahrschein- 
lichkeit ist, wie schon Burckhardt (s. vorher) bemerkt, für Pintu- 
ricchio.  v. Bl.
        

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