Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165549
180 
Buch III. 
Italien. 
Jahrhundert. 
XVI. 
Rafael. 
geschmückt, reicht ihm Blumen als Sinnbild der Lebens- 
freuden. Es scheint eine der schönsten Allegorien im Sinne 
des Giorgione. 
ä. 174. Im Herbste des Jahres 1504 ging Rafael nach 
Florenzak). Es war jene Zeit, in Welcher die toscanische 
Kunst gerade in ihrer schönsten Entfaltung stand, und die 
bedeutendsten Künstler dort mit einander um den Preis ran- 
gen. Neue Vorbilder traten dem strebenden Geiste des Jüng- 
lings entgegen und bezeichneten ihm den Weg, auf dem er 
zur Meisterschaft gelangen sollte. Hier hebt sich eine neue 
Epoche seiner Entwickelung an; hier beginnen die Jahre der 
Befreiung aus den einschränkenden Manieren, in welchen die 
Schule des Perugino sich bewegte; die Jahre, in welchen der 
Jüngling zu selbständiger Männlichkeit heranreifte und eine 
schöne, freie Entfaltung der Formen sich zu eigen machte. 
Sind RafaePs frühere Arbeiten der Ausdruck einer eignen 
milden Seelenstimmung, so tragt der grössere Theil derer, 
welche nun zunächst folgen, mehr und mehr das Gepräge 
einer unbefangenen, heiteren Auflassung des Lebens. (Ein- 
dwirkting der Cartons von Leonardo und Michelangelo S. 124 
und 142. Ueber RafaePs Verhältniss zu Fra Bartolommeo 
S. 158, zu Ridolfo Ghirlandajo S. 167.) 
1- In dieser Zeit soll die berühmte Madonna del Gran- 
duca entstanden sein, welche in der Galerie des Palastes 
Pitti aufgestellt ist. Maria hält das nackte Kind still auf 
dem Arme und blickt in tiefem Sinnen nieder. Bei einer, 
z. B. im Nackten, nur flüchtigen, und überhaupt sehr ein- 
fachen Ausführung besitzt dieses Bild vor allen frühern Ma- 
donnen RafaeYs jenen bannenden Zauber, Welchen nur das 
Innewerden eines grossen geistigen Geheimnisses hervorbringt; 
man fühlt, dass ltein früherer Maler so viel freie, übersinn- 
i?) Dass im Sommer 1505 auch Perugino für einige Zeit in Florenz 
war, beweist eine Urkunde bei Gaye, Cartegg. II, S. 68. Auch Leo- 
nardo muss nach den Rechnungen S. 79 u. f. zu schliessen, mindestens 
bis in den Sommer 1505 in Florenz gewesen sein, Michelangelo 
ebenfalls. 
        

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