Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165450
172. 
Rafael. 
171 
einigung hat niemals zu einer andern Zeit Statt gefunden; 
Und dies gesehahe, weil sie gefesselt waren durch seine Höf- 
lichkeit und seine Kunst, mehr aber durch den Geist seiner 
guten Natur, die so voll von Adel war und so erfüllt von 
Liebe, dass nicht nur die Menschen, sondern auch die Thiere 
ihm Ehrerbietung bewiesen. Man sagt, dass wenn irgend ein 
Maler eine Zeichnung bedurfte und ihn, mochte er ihn kennen 
oder nicht, darum bat, er seine eigene Arbeit unterbrach, um 
jenem zu helfen. Und immer hatte er eine unzählbare Menge 
von Künstlern in der Arbeit, denen er half und die er mit 
derjenigen Liebe unterwies, welche nicht Künstlern, sondern 
eigenen Söhnen zukömmt. Aus diesem Grunde sahe man 
ihn nie zu Hofe gehen, ohne dass er, wenn er sein Haus 
verliess, nicht fünfzig Maler, alles tüchtige und gute Künstler, 
um sich hatte, die ihn, um ihn zu ehren, begleiteten. Üeber- 
haupt lebte er nicht wie ein Maler, sondern wie ein Fürst. 
Und desshalb, 0 Kunst der Malerei, kannst du dich glücklich 
schätzen, da du einen Künstler erzeugtest, der dich durch 
Geschick und Tugend über den Himmel erhob." 
Indem ich die einseitige Ueberschätzung RafaePs im 
Vergleich zu andern Künstlern, welche aus dieser Stelle her- 
geleitet werden könnte und welche gerade heutiges Tages 
beliebt ist, hier gänzlich dahingestellt. sein lasse  so finde 
ich doch iu dieser Charakteristik das eigentliche Wesen, wel- 
ches der Kunst RafaePs zu Grunde liegt, entschieden ange- 
deutet. Wie ein Zauberer erscheint er in dieser Beschrei- 
bung; nur seiner Gegenwart bedarf es, um Freude und Glück 
zu verbreiten, um das Wunderbare möglich zu machen und 
i") Rafaels Grösse, im Verhältniss zu andern Künstlern, ist nicht 
S0W0hl qualitativer als quantitativer Art: kein Meister hat eine so be- 
deutende Anzahl höchst vorzüglicher Werke hinterlassen, als er, dem 
nur ein so kurzes Leben vergönnt war,  bei keinem werden weniger 
missfallige Einzelheiten bemerkt, als bei ihm. Persönlich steht er dem- 
nächst allerdings als der edelste und gediegenste Charakter unter den 
Künstlern, die uns bekannt sind, da. Aber dies darf uns nicht hin- 
dern, die glücklichen Momente Anderer ebenfalls in ihrer hohen und 
vollkommen selbständigen Bedeutsamkeit anzuerkennen.
        

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