Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165384
164 
Buch III. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert. 
Florenz. 
170. 
Andrea eigenthiimlichen Darstellungsweise sieht man an der 
8. sogenannten Madonna di- San Francesco (auch Madonna 
delle arpie, nach den Harpyienfigürchen des Fussgestells), 
welche sich in der Tribune der Uffizien zu Florenz befindet: 
Maria mit dem Kinde, auf einem Altärchen stehend und von 
zwei Engelknaben gehalten, Franciscus und Johannes der 
Evangelist zu ihren Seiten; beide Heilige von schönem, wür- 
9. digem und mildem Ausdruck.  Unter den Altargemälden, 
welche sich jetzt im Pallast Pitti befinden, ist vorzüglich die 
sog. Disputa della SS. Trinita geeignet, die innere Verwandt- 
schaft Andrezüs mit der Richtung der Venetianer zu verdeut- 
lichen. Es ist eine Conversation von sechs Heiligen; vorn 
knieen, andächtig horchend, S. Sebastian und S. Magdalena; 
von dem was S. Augustin in höchster Begeisterung spricht, 
wird S. Dominicus mit dem Verstande, S, Franciscus mit dem 
Herzen überzeugt; S. Laurentius blickt gesammelt vor sich 
hin. Zu den vortrefflichen Gegensätzen in Ausdruck und 
Geberde kommt hier noch die höchste Schönheit in der Aus- 
10-fül1rung, besonders im Colorit.  Ein todter Christus zwischen 
seinen Angehörigen ist, wie Andrea es liebte, vollkommen 
symmetrisch componirt, übrigens reich an schönen Einzel- 
heiten. Auch ausserdem findet man eine reiche Anzahl mehr 
oder minder trefflicher Gemälde Andrea's in den florcntiuischen 
Galerieen. 
Im Jahre 1518 war Andrea von dem kunstliebenden 
Könige Franz I. nach Frankreich berufen worden und hatte 
dort für den König und die Grossen des Hofes eine Anzahl 
Gemälde gefertigt. Er war dort sehr wohl aufgenommen 
und auf eine WVeise belohnt worden, wie er es in Florenz 
nimmer erwarten konnte. Gleichwohl liess er sich durch die 
Bitten seiner eigensinnigen und herrschsüehtigen Frau bestim- 
men, Paris bereits im folgenden Jahre unter einem ersonnenen 
VQrxwYande zu verlassen, ja sogar Gelder, welche der König 
ihm zum Ankauf" von Kunstwerken nach Italien mitgegeben 
hatte, zu veruntreuen. Naohmals gereuete ihn dieser leicht- 
sinnige Schritt liöehliehst, aber es gelang ihm nie, die Gunst 
des Königs wieder zu gewinnen. Gewiss ist diese Begeben-
        

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