Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165376
170. 
Andrea. 
del 
Sarto. 
163 
der Beleuchtung und des Colorits steht das fünfte am höch- 
sten: die Heilung der Kinder durch das Gewand des Heiligen. 3, 
Etwas später malte Andrea in demselben Vorhofe noch die 
Geburt Mariä, ebenfalls ein vorzügliches Werk, und eine 
ligurenreiche Anbetung der Könige. Aus beträchtlich späterer 4. 
Zeit (vom J. 1525) rührt ein andres Gemälde Andrea's her, 
welches in dem grossen Hofe desselben Klosters, in der 
Lünette über der hintern Kirehthür gemalt, und unter dem 
Namen der Madonna del Sacco bekannt ist: eine einfache heil. 
Familie, "in welcher der heil. Joseph dargestellt ist, wie er 
sich sitzend an einen Sack lehnt; es ist eins der gerühmtesten 
Gemälde Andrea's, von edlen grossartigen Formen, voll schöner 
Ruhe und mit meisterhaft behandelten Gewändern. 
Ehe ich zu Andrea's Staffeleibildern übergebe, will ich 
noch eines andern bedeutenden Frescobildes seiner Hand er- 5. 
wähnen, welches sich in dem Refektorium des KIOSfCYS S- 
Salvi bei Florenz befindet. Er rührt ebenfalls aus seiner 
späteren Zeit her (1526-27) und stellt-das Abendmahl dar, 
 in der bekannten Anordnung (wie z. B. Leonardds Abend- 
mahl  nur freilich diesem in der geistreichen und tief- 
sinnigen Durchdringung des Gegenstandes nicht zu ver- 
gleichen), mit einer eigenthümlichen Gruppeneintheilung und 
mit schöner Charakteristik der einzelnen Gestalten. 
Sehr zahlreich sind Andrea's Staffeleibilder, welche sich 
meist in dem einfachen Kreise der Madonnen, der heiligen 
Familien und ähnlicher Altardarstellungen bewegen; in ihnen 
zeigt sich seine Eigenthümlichlaeit in freister Entfaltung. Sehr 
selten sind Bilder dieser Art aus seiner früheren Zeit; eins 6, 
derselben jedoch, welches er für das Kloster S. Gallo malte 
und welches gegenwärtig sich in der Galerie Pitti befindet 
(n. 124), zeigt einen schöneren und tieferen Ernst, als man 
sonst bei ihm gewohnt ist; es stellt eine Verkündigung dar 
und erinnert in Etwas an Francia. In andren Bildern, wie 7. 
z, B. in einer andren Verkündigung ebelidaselbst (n. 27), 
sieht man entschiedenen Einfluss Michelangelds, von dem 
man nicht sagen kann, dass er auf die Richtung Andrea's 
günstig gewirkt habe. Die schönste Entfaltung der dem 
11'
        

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