Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165269
152 
Buch III. 
Italien. 
Michelangelo. 
XVI. Jahrhundert. 
167. 
nung in den Gruppen und einzelne höchst würdige Gestalten; 
eine Gemessenheit und Ruhe, welche, im Vergleich mit dem 
jüngsten Gerichte, für das in Rede stehende Bild nicht un- 
vortheilhaft erscheint. Wenn man darin Zeichen der Alters- 
schwäche finden Will, so kann sich diess höchstens auf die 
Durchführung im Einzelnen beziehen 
Was man in den Galerieen unter dem Namen des Michel- 
angelo sieht, ist fast niemals acht; er hat nur höchst selten 
die Hand an Staffeleibilder gelegt und wohl niemals in Oel 
4. gemaltf). Die Tribune der Uffizien zu Florenz bewahrt ein 
mit Temperafarben gemaltes Rundbiltl der heiligen Fa- 
 milie, welches vielleicht das einzige, durch historische Zeug- 
nisse bestätigte Staffeleibild Michelangelds, und zwar aus 
seiner frühem Zeit istH). Er suchte sich das möglichst 
schwierige lIotiv; die knieende Maria hebt das Kind vom 
Schoosse des hinter ihr sitzenden Joseph; im Hintergründe 
fünf nackte männliche Figuren. Das Ganze ist nichts weniger 
5. als ansprechend, und dabei in der Farbe manierirt.  In der 
Galerie Pitti zu Florenz sieht man, unter seinem Namen, 
ein Bild der drei Parzen, strenge, scharfefbedeutsame 
Gestalten, Welches indess von Rosso Fiorentino ausgeführt 
6. ist.  Eine Darstellung der Leda, welche Michelangelo 
ebenfalls in Tempera gemalt hat, soll sich, nach Eastlake, in, 
England (als Carton und auch als Bild) befinden; im königl. 
Schloss zu Berlin findet sich eine alte Copie dieser gross- 
artigen Composition, die mannigfach als das Original ange- 
führt wird.  
Michelangelo bezeugte überhaupt wenig Neigung zur 
Anfertigung von Staffeleibildern; doch liess er Manches von 
seinen Schülern und andren Künstlern nach seinen Zeich- 
 Die noch ältere "Versuchung des h. Antonius", die Michel- 
angelo, wie Condivi berichtet, im fünfzehnten Jahre nach dem berühm- 
ten Stich Martin Schöns und mit naturalistischer Benutzung gekaufter 
Fische etc. gemalt, befindet sich nach O. Mündler wohlerhalten in Paris, 
im Besitz des Bildhauers H. de Triqueti (nicht, wie Bianconi u. A. 
wollen, in Bologna).  
i") Vasari, im Leben Michelangelds.
        

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