Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165254
167. 
Das 
Weltgericht; 
die 
paulinische 
Kapelle. 
151 
Kunstwerkes bedingt; dass überhaupt dies Gebiet der Kunst 
in den, in Rede stehenden Theilen des Bildes seine höchste 
Vollendung feiert. 
Die Nacktheit fast aller Gestalten dieses Bildes hat 
mannigfach, und schon bei Lebzeiten des Künstlers, Anstoss 
gegeben. Papst Paul IV., freilich ein wenig kunstliebender 
Mann, wollte dasselbe herunter schlagen lassen, bis, durch 
anderweitige Vermittelung, gestattet wurde, dass Daniel von 
Volterra, einer von Michelangelds Schülern, einige der auf- 
fallendsten Blössen mit Gewändern bedeckte, was ihm den 
Spottnamen des Hosenmachers (braghettone) zuzog. Auch 
später wurde dies Verfahren frömmelnder Decenz noch an 
verschiedenen Stellen angewandt, wodurch allerlei Lappen 
entstanden sind, die allerdings die freie Wirkung des Bildes 
niannigfaoh verkümmern.  
Eine sehr vorzügliche Copie des Werkes im kleinen 2. 
lläaassstabe (7112 Fuss hoch), die von Marcello Venusti unter 
den Augen des Meisters angefertigt wurde, befindet sich im 
.borbonischen Museum (den Studj) zu Neapel.  
Aus derselben Zeit etwa, in welcher Michelangelo das 3. 
jüngste Gericht malte, rühren noch zwei vorzügliche Fresco- 
gemälde her, welche er an den Seitenwänden der pauli- 
nischen Kapelle des Vatikans ausgeführt hat. Diese Ge- 
mälde sind Wenig beachtet und durch Lampenqualm beträcht- 
lich verschvvärzt, so dass selten von ihnen die Rede ist. Auch 
ist-das eine, welches die Kreuzigung P etri darstellt, unter 
dem grossen Fenster der Kapelle befindlich und somit im un-  
günstigsten Lichte; ausgezeichnet ist dasselbe in Rücksicht 
auf die grossartig strenge Composition. Das auf der gegen- 
überstehenden Wand, die Bekehrung des Saulus, ist 
noch immer leidlich sichtbar. Hier sieht man den grossen 
Heereszug des Saulus, der ins Bild hinein bergauf geht. 
Christus stürzt ihm aus dem Gewitterglanze, von Engel- 
schaaren umgeben, entgegen. Saulus liegt, in prächtiger 
Entwickelung einer edlen Gestalt, auf den Boden gestreckt, 
die Seinen stürzen zu den Seiten oder stehen gelähmt vom 
Donner da. Man erkennt auch hier eine  trefflißhß Anord-
        

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