Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165229
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Buch III. Italien. XVI. Jahrhundert. 
Michelangelo. 
167. 
Kapelle vier besondere, historische Darstellungen zu erwähnen, 
welche sich in Gewölbklappen der vier Ecken befinden und 
Momente der Rettung des Volkes Israel darstellen: 
Judith, nachdem sie den Holofernes ermordet hat;  Goliath, 
von David besiegt;  das Wunder der ehernen Schlange; 
 die Bestrafung des Haman. Auch in diesen Gemälden 
offenbart sich der grosse Geist. des Künstlers. Die Figur des 
an das Kreuz geschlagenen Haman auf dem letzten ist seit 
alter Zeit als ein vorzügliches Bleisterwerk, in Bezug auf die 
Darstellung schwieriger Verkürzungen, berühmt.  
5. 167. Nach diesen WVerken beschäftigten den Künstler 
zumeist wiederum plastische und architektonische Arbeiten, 
unter denen vornehmlich der Bau der neuen Sakristei von 
S. Lorenzo zu Florenz und die darin befindlichen Grabmäler 
der Mediceer die bedeutendsten sind. Erst in seinem sech- 
zigsten Jahre wurde Michelangelo zu seinem zweiten grossen 
1. Werke im Fache der Malerei berufen, zur Darstellung des 
jüngsten Gerichtes an der Hinterwand der SlXlLlIIlSClIGII 
Kapelle (60 F uss hoch). Er begann dies Werk im Auftrage 
des Papstes Clemens VII und vollendete es innerhalb sieben 
Jahren, unter dem Pontificate Pauls IIL, im Jahre 1541. 
Dies ungeheure WVerk steht mit der zahllosen Menge seiner 
Figuren, in der Kühnheitdes Gedankens, in der Mannich- 
faltigkeit der Bewegungen und Ansichten jener Gestalten, 
in der Meisterschaft der Zeichnung, insbesondere in den 
ausserordentlichsten und schwierigsten Verkürzungen wie- 
derum einzig in der Geschichte der Kunst da, aber es 
erreicht nicht mehr die Reinheit und Hoheit der Gemälde an 
der Decke. 
Wir sehen in der oberen Hälfte des Bildes den Welten- 
riehter im Kreise der Apostel und Erzväter, denen sich auf 
der einen Seite die Märtyrer, auf der andern andre Heilige 
und eine weitere Schaar von Seligen ansehliessen. Oberhalb, 
unter den beiden Bogen des Gewölbes, zwei Engel-Gruppen, 
welche die Instrumente der Passion tragen. Unter dem Er- 
löser eine andre Gruppe von Engeln, welche zur Auferweckung 
der Todten blasen und die Bücher des Lebens halten. Zur
        

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