Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165214
166. 
Decke 
der 
sixtinischen 
Kapelle. 
147 
Schmerz einer zerrütteten, sündigen Welt zu begreifen und 
zu tragen vermögen und dass sie die Kraft haben, deren 
Blick auf den Trost der Zukunft hinzuleiten. Doch herrscht 
in ihnen zugleich die grösste Mannigfaltigkeit der Stellungen 
und des Ausdruckes, und eine jede dieser Gestalten ist auf 
die eigenthümlichste Weise individualisirt: Zacharias als Greis 
in hohem Alter, ruhig und überlegsam forschend;  J eremias 
niedergebückt, versunken in die Gedanken eines bitteren, 
gewaltsamen Schmerzes;  Ezechiel, sich in liastiger Be- 
wegung zu dem Genius neben ihm timwendend, der in freu- 
diger Offenbarung nach oben weist; u. s. w. So auch die 
Sibyllen: die Persische, ein mächtiges hohes Weib, wiederum 
hoch bejahrt;  die Erythräische voll der schönsten Kraft, 
der kriegerischen Göttin der Weisheit vergleichbar;  die 
Delphische, wie Kassandra, jungfräulich zart und anmuthvoll, 
aber auch sie kräftig genug, um den hohen Ernst der Offen- 
barung tragen zu können; u. s. W. 
Die Vorfahren der heiligen Jungfrau stellen die 
mannichfaltigsten Familiengruppen dar, in denen sich, ohne 
Hindeutung auf besondre Handlungen und Verhältnisse (da- 
von bekanntlich auch in der Schrift zumeist nichts erwähnt 
wird), nur eben das Beisammensein in der Familie und ein 
stilles Harren und Hoffen in die Zukunft ausspricht. Doch 
hat der Künstlen diese Zilstände zu den mannichfaltigsten 
Motiven zu benutzen und solcher Gestalt eine grosse Reihe 
verschiedener Gruppen (larzustellen gewusst; Welche stimmt- 
lich durch eine cigenthümliche Abgeschlossenheit und durch 
eine grossartig schöne Atlifassung der Verhältnisse des Fa- 
malienlebens anziehen. Auch diese Gruppen und Gestalten 
gehören wiederum zu Michelangelds edelsten Üompositionen; 
in ihnen namentlich giebt er Beispiele einer Innigkeit und 
Zartheit, die, wenn sie auch immer das Gepräge seines 
erhabenen Geistes tragen, so doch nur selten in seinen Werken 
gefunden werden und die in allgemeiner Beziehung sehr in- 
teressante Vergleichungspunkte mit Rafaels heiligen Familien 
darbieten. 
Noch sind unter den Deckengemälden der SiXt-iniSChen 
10m
        

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