Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165209
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Buch III. 
Italien. 
XVI. 
Jahrhundert. 
Miehelangelo. 
Hoheit und Majestät in der- Ausführung.  Nicht minder 
bedeutend ist das dritte Hauptbild, die Darstellung des Sünden- 
falls und der Vertreibung aus dem Paradiese. Hier steht der 
Baum der Erkenntniss in der Mitte, die Schlange, Welche in 
den Oberkörper eines WVeibes ausgeht, um dessen Stamm 
geschlungen; sie beugt sich seitwärts hinüber zu dem Paare, 
das zu sündigen im Begriff ist „ und in dem man Gestalten 
voll eigenthümlich grossartiger Anmuth, besonders in der 
Eva, erkennt. Auf der andern Seite der Schlange, fast 
Rücken an Rücken mit ihr, schwebt der Engel mit dem 
Schwerte, der die Gefallenen aus dem Paradiese vertreibt. 
Es liegt in dieser Doppelhandlung, in dieser Verbindung 
zweier, durch die Zeit getrennter Momente etwas höchst Poe- 
tisches und Bedeutsames; es ist Schuld und Strafe in Einem 
Bilde, und die nahe Zusammenstellung des Racheengels mit 
dem Dämon der Finsterniss, das blitzähnliche I-Iervorbrechen 
des ersten hinter dem Rücken des letzteren ist von tiefer, 
ergreifender WVirkung.  Das vierte Hauptbild enthält eine 
figurenreiehe Darstellung der Sündfluth und ist eine der aus- 
führlichsten dramatischen Compositionen Michelangelois.  
Auch die fünf kleineren Zwischenbilder der Decke: Gott- 
Vater, (las Lieht von der ldlinsterniss theilend,  Gott-Vater, 
die Wasser scheidend,  die Erschaffung der Eva,  das 
Dankopfer des Noah,  Noalfs Trunkenheit, haben beson- 
dere und grossar-tige Schönheiten. 
Die Propheten und Sibyllen, in den Pendentifs 
des gewölbten Randes, sind- der Dimension nach die grössten 
Figuren unter den Malereien der Decke; auch sie gehören 
zu den wunderbarsten Gestalten, welche die neuere Kunst 
ins Leben gerufen hat. Sie sind sämmtlich sitzend dargestellt, 
meist mit. Büchern oder Schriftrollen beschäftigt, Genien 
neben oder hinter ihnen. Trauernd, sinnend, forschend oder 
in Begeisterung aufblickend sitzen diese mächtigen WVesen 
da; ihre Gestalt und ihre Bewegung, wie sie sich in den 
Formen selbst und in den Linien und Massen der Gewänder 
darstellen, sind von der grössten Würde und Majestät; in 
allen spricht sich deutlich der Charakter aus, dass sie den
        

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