Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165198
Decke 
der 
sixtinischen 
Kapelle. 
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tektonischen Formen zu stützen, zu tragen, auszufüllen und 
zu beschliessen; ich möchte sie am liebsten als die lebendigen 
Geister und Verkörperungen .der Architektur bezeichnen. Es 
bedurfte eines Mannes, der gleich gross im Fache der Archi- 
tektur und Sculptur, wie in dem der Malerei War, um ein 
architektonisches Ganze von so grossartiger Wirkung zu er- 
finden und die dekorativen Figuren in ihrer bedeutsamen 
plastischen Ruhe, zugleich aber in ihrer Unterordnung unter 
die flauptgegenstände zu entwerfen, und um letztere in den 
für die Räumlichkeit günstigsten Massen und Verhältnissen 
zu halten. lXIanche Künstler der späteren Zeit (wie nament- 
lich Annibale Caracci in der Galerie des Palastes Farnese, 
haben Aehnliches versucht, aber keiner hat es vermocht, den 
Gedanken des Ganzen in derselben inneren Nothwendigkeit 
zu erfassen und durchzuführen. 
Die Geschichten der Genesis, wie sie Michel- 
angelo an dem mittleren Theile dieser Decke ausgeführt hat, 
sind die erhabensten Darstellungen dieses Gegenstandes; in 
ihnen tritt das Wesen des schaffenden Weltgeistes lebendig 
vor die Augen des Beschauers. Michelangelo hat hier einen 
eigenthürnlichen Typus für die Gestalt des allmächtigen 
Vaters erfunden, der mannigfach von seinen Nachfolgern 
( schon von Rafael) nachgebildet, aber von keinem über- 
troffen worden ist. Er stellt ihn in gewaltigem Fluge, hin- 
rauschend durch die Lüfte, dar, umgeben von Genien, welche 
halb ihn tragen, halb von ihm getragen werden und von 
seinen flatternden Gewanden bedeckt sind; es sind die ein- 
zelnen Laute, die einzelnen Kräfte seines schöpferischen 
Wortes. S0 sehen wir ihn auf dem ersten Bilde, wo er mit 
der einen Hand der Sonne, mit der andern Hand dem Monde 
seine Bahn weiset. So auch auf dem zweiten Hauptbilde, wo 
er den ersten Menschen zum Leben erweckt. Hier liegt 
Adam am Ufer der Erde hingcstreckt, im Begriff, sich empor- 
zurichten; der Schöpfer berührt mit der Spitze seines Fingers 
den des Menschen und scheint so die Kraft und das Gefühl 
des Lebens in jenen hinüberzuströmen; ßS ist ein Bild V03 
wunderbar tiefsinniger Composition und VOÜ der edelsten 
liugler hlalerei n. 10
        

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