Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1163311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1165065
132 
Buch HI. 
Italien. 
XVI. Jahrhundert 
Leonardo. 
164. 
nardo's Namen berühmten Compositionen der Eitelkeit und 
Bescheidenheit, des Christus unter den Schriftgelehrten u. a. m. 
als nicht bloss von Luini gemalt, sondern auch als seine Er- 
findungen. Seine Hand unterscheidet. sich sonst von der des 
Meisters kenntlich genug durch die ungleich geringere Schärfe 
der Durchführung, namentlich der Modellirung, so wie durch 
eine grüssere Allgemeinheit des Ausdruckes, welcher neben 
dem Typus des Leonardo bisweilen das Studium rafaelischer 
Ideale erkennen lässt. Die Farbe ist blühend, selbst in den 
Fresken, dagegen scheint Luini das Geheimniss harmonischer 
Composition nicht ergründet zu haben.  Mailand ist reich 
.5. an Werken Luini's; die ambrosianische Bibliothek, die Ga- 
lerie der Brera, die Privatsammlungen besitzen einen Schatz 
6. anmuthvoller Staffeleigemälde. Im Dom von Como beüntlen 
sich, ausser einem trefflichen Altarblatt, zwei Temperabilder 
auf Leinwand, eine Anbetung der Hirten und eine Anbetung 
der Könige mit einzelnen Gestalten von hinrcissender jugend- 
licher Schönheit; Anderes a. a. O.  Am bedeutendsten aber 
erscheint Luini in seinen Fresken. Frühere Vverke dieser 
Art enthalten noch häufig etwas jugendlich Schüchterncs und 
Befangenes; zu diesen gehört der grösste Theil der Fresken, 
welche aus eingegangenen Kirchen in die Sammlung der 
7. Brera gekommen sind: die Darstellungen aus dem Leben 
der Maria, aus der Kirche della Pace stammend, und die 
aus dem Kloster della Pelucca. Letztere stellen meist my- 
thische und ähnliche Gegenstände classischen Inhalts dar, sie 
sind in einer mehr decorativen, aber eigenthümlichen sinnigen 
8. Weise behandelt.  Noch vorzüglicher sind die Fresken aus 
Ovids Metamorphosen, welche jetzt im Hause Silva zu Blai- 
land aufbewahrt werden. In den späteren Fresken Luinfs 
entwickelt sich dagegen eine reife und edle lhlännlichkeit. 
9. Hieher gehört zunächst. ein höchst treffliches Werk, Maria 
auf dem Throne, von Heiligen umgeben, vom Jahre 1521, 
aus der Kirche der Brera ebenfalls in die dortige Galerie 
icgebracht. Sodann die zahlreichen Arbeiten im Monastero 
maggiore (S. Maurizio) zu Mailand, Wo vornehmlich die Altar- 
wand der inneren Kirche (mit Ausnahme des älteren Altar-
        

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